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Ausserhalb von Griechenland, wo man Griechen fand -oder- ohne Mittel mehr ans Mittelmeer

Angekommen in Selcuk, einem kleinen Städtchen, dem man durchaus ansieht, dass nach den Griechen hier auch die Touristen durchgekommen sind.
Erstmal werde ich abgefangen von einem Menschen, der mir eine Unterkunft in seinem Hotel andrehen will..Gerne!! Um 7.30 Uhr morgens, nach unruhigen, vielleicht 6 Stunden Schlaf im Bus bin ich da eigentlich auch froh drum. Und es könnte mich auch durchaus schlechter treffen. Ich lande in einem drei Bett Zimmer mit richtig fetter warmer Aircondition. Meine zwei Mitbewohner ziehen noch am gleichen Tag ab und so verbringe ich den Tag damit den kostbaren Schlaf nachzuholen. (Die erste von mehreren U.S. Amerikanern die hier für eine Woche rübergeflogen sind)

Warum hier also die Touristen durchkamen liegt an den Griechen. Die haben hier nämlich eine imposante Ruinenstadt – Ephesus – zurückgelassen. Früher sogar mit Meerzugang, aber das ist schon Jahrhunderte her. Von Selcuk kann man super hinlaufen und erblickt als erstes den Parkplatz mit den ganzen Reisebussen, die entsprechend ihrer Landeszugehörigkeit einen Namen oder sowas da stehen haben. Darauf folgen dann, links und rechts, viele Büdchen mit allerlei Andenken und so weiter. Dann nach dem Eintritt aber offenbart sich die großartige Architektur der alten Griechen. Das mag sich etwas ironisch anhören, aber ich war doch durchaus auch beeindruckt. Leider fehlt, mal wieder, das archäologisch-historische Fachwissen, um das ganze auch nachhaltig zu speichern. Ein Höhepunkt , für mich, war natürlich auch die öffentliche Toilettenanlage, in der man(n?) sich in geselliger Runde entleerte. Dieses Stück Geschichte war auch durchaus gut erhalten, wie man den Fotos entnehmen kann. Ganz ohne Wissen bin ich nicht davon gekommen, denn den ganzen Reisegruppen ist zu verdanken, dass sich immer wieder Fetzen vom Reiseführer in Deutsch oder Englisch aufschnappen lassen.

Hier gibts jetzt Bilder auf einer neuen Seite

In Selcuk selbst gab es dann eine Art schweizerisch-türkisches Café, wo ich natürlich hin musste – wofür macht man sonst auch Urlaub??!. Der Besitzer erzählte mir dann wie wichtig es ist einen guten Ruf im Internet zu haben: Tripadvisor, Lonely Planet etc. Ich bestellte Künefe. Eine Süßspeise, die aus einer Art Käse und süßem Zeug drüber besteht und die ich bereits in Israel und Jordanien lieben gelernt hatte. Dort heissts jedoch: Knafeh.
Der, von seinem Geschäftsprinzip überzeugte, Besitzer fragte mich dann auch wie es schmeckte und ich bin ehrlich und sagte, dass der Käse hätte weicher sein können. Anstatt dies dann anzunehmen erhielt ich nur die Antwort, dass ich nichts anderes erwarten könnte – wenn es nicht ganz frisch frisch zubereitet ist. Nun gut. Muss man denn fragen, wenn man doch eh nur eine Bestätigung haben will?

An einem anderen Tag begab ich mich ins „pittoreske“ Örtchen Şirince (gesprochen: Schirindsche). Von Selcuk aus ging es wirklich schön, serpentinenartig immer höher in dieses kleine Bergdörfchen.
Diese Serpentinen befördern aber natürlich nicht nur mich, sondern wieder viele Reisebusse.
Es ist doch eigentlich absurd. Da will man sich so ein Örtchen anschauen und landet in einem schönen Ort, dessen ganzes „Leben“ aus Touristenläden besteht. Ist das jetzt so toll? Ich fühlte mich jedenfalls unwohl und da ich nicht vorhatte Geld auszugeben ging ich den Weg nach Selcuk zu Fuß wieder zurück, was Spaß macht, da es Bergab geht und die Landschaft wirklich schön ist.

Was will man denn als Reisender?, irgendein Bergdörfchen kann man sich theoretisch auch so irgendwo angucken, aber da kommt man ggf. schwerer hin, wenn man vom ÖPV abhängig ist – aber was, andererseits, will man da überhaupt tun..Immer mehr dämmerte mir jedenfalls, dass ich an den falschen Stellen Dinge falsch sehe.

Zurück im Hotel hatte ich Gesellschaft im 3-Bett Dorm bekommen. Ein junges, deutsches Radfahrerpärchen, die beinahe zeitgleich wie ich von Istanbul aus gestartet sind – jedoch noch bis nach Indien wollen. (http://radbeginaz.tschirwa.de/). Noch hatte ich nicht viele Deutsche getroffen und so war es natürlich schön nochmal völlig unbefangen einfach quatschen zu können. Sie hatten sich übrigens Troja angesehen und sich über das fehlinvestierte Geld geärgert..
Da man sich ja auch in der Türkei noch mindestens einmal wieder sieht, war auch dies geschehen, aber das ist eine andere Geschichte und wird ein ander Mal erzählt.

Nachdem ich also mehr oder weniger offiziell meine erste Ruine besichtigt hatte – und davon gibt es im südwestlichen Teil der Türkei mehr als genug – wollte ich von Selcuk aus meine lang vorgeschobene Tramptour weiter Richtung Süden starten. Von Canakalle war ich schließlich ganz konventionell mit dem Bus nach Selcuk gefahren.
Das aus den Städten kommen ist, war und bleibt wohl immer problematisch und so lief ich erst mal mit vollem Gepäck die ersten 2, 3km aus der Stadt raus – als ich dann endlich meinen Startpunkt gefunden hatte, dauerte es trotz magerem Verkehr keine 10minuten bis das erste Auto anhielt. Ein Hamambesitzer (türkisches Bad), der mir den Tipp gab, dass, wenn man umsonst ins Hamam will, auf türkisch sagen können sollte „ich brauche Hamam“. Laut Kultur kann man einem Menschen nicht abweisen, der sich reinigen will. Oberstes Gebot oder so. Wichtig jedenfalls.
Die Massage gehört jedoch wohl eher nicht dazu. Der gute Mann war etwas besorgt über meine Route und gab mir 50 Lira (25€) und sagte, er würde mich zum nächsten Busbahnhof bringen – ich erwähne natürlich, dass er beides nicht brauche, aber zum Schluss hatte er mir dann doch das Geld gegeben. Er meinte, ich hätte schlechte Chancen auf diesem Weg weiter zu kommen. Da er zwar der erste, aber nicht der letzte war, der diese Bedenken hatte, ist es doch durchaus eine interessante Sache. Diese Menschen als Helfende haben das Gefühl, es würde sonst niemand helfen…. Was dem trampenden natürlich wesentlich mehr Hilfe ist, als die Annahme, dass sich eh jemand anderes um einen kümmert. Wenn man kollektiv denkt, dass man derjenige ist der den Unterschied macht, dann ließe sich doch was bewegen…

Nun war ich aber schon wieder in einer Stadt gelandet und lief wieder Richtung Ausgang. Nur ist es schwer davon eine Vorstellung zu haben, wo er denn liegt – an der nächsten Tankstelle baute ich mich auf und merkte schon, dass die Tankstellen so wenig frequentiert werden, dass es sich nicht lohnt dort zu warten und Straßenkarten gabs da auch nicht.
Als nächstes nahm mich ein LKW-Fahrer mit, der mich nicht verstand und ich ihn auch nicht. Ich kam 50,60 Kilometer weiter und landete in einer staubigen Kleinstadt. Euphorie aber auch Genervtheit machte sich breit. Erstmal was Essen gehen. Hier haben wir eigentlich die Situation (was auch immer „die“ heissen mag):
Ich landete in irgendeiner Stadt und diese hat definitiv keine Touristische Infrastruktur – super, oder? Aber was mach ich hier? Essen gehen geht halt – mit Händen und Füßen. Es waren leckere, leider nicht warme, Spinatkäseböreks. Natürlich falle ich hier auch wieder auf. Wer bitte schön läuft hier rum. Der Ort jedenfalls schreit auch nicht danach. Aber irgendwie ist es trotzdem gut dort zu sein.

Es dauerte eine ganze Stunde bis ich den nächsten LKW angehalten habe, mit dem ich mich nicht unterhalten kann, der sich aber unterhalten will – und zwar über komische Themen.
….(bedeutungsschwangere Pause)…
Irgendwann hörte ich, nachdem ich mein Standartprogramm runterrasselte „wo ich hinwill und wie schön doch die Türkei sei“, die Worte… Penis, Penis, Penis.
Das liess sich schlecht ignorieren. Ich versuchte es. Irgendwann musste ich mich dann dem Thema stellen und er wollte wohl wissen ob ich beschnitten sei, Frage beantwortet und gut..
Naja. Eine Weile. Dann fragte er, wie lang „Er“ denn wäre. Naja. Ich hielt es dann für sinnvoll zu sagen, dass ich eine Freundin in Allemania habe…damit war erstmal gut. Ich war innerlich in einer Art Alarmbereitschaft und spielte verschiedene Szenarios durch – gerade als er dann fragte ob ich nicht etwas essen wollte oder müde sei, was ich durchaus war. Ich verneinte alles und an diesem Punkt waren es auch gerade nur noch 20km bis zum Ziel. Hamdulillah.

Erst später im Gespräch mit einer Deutschen konnte ich das nochmal reflektieren und sehe die Penis-Geschichte eher als reine Neugierde – denn, wann hat man als türkischer LKW-Fahrer einen Westeuropäer neben sich, den man sowas fragen kann. Denn vielleicht ist auch der Austausch über solche Themen unter Geschlechtsgenossen einfacher und ungezwungener, als ich selber es kenne oder insbesondere unter Fremden vermeiden würde. Desweiteren wirke ich im Vergleich physisch auch fähiger mich zu verteidigen, als dieser kleine circa mitte Fünfzig jährige Mensch, mit seinem zerfurchten, sonnengegerbten Gesicht.

Wirklich froh, dass alles gut gegangen ist suchte ich mir wieder ein Pöstchen. Ein ungewöhnliches auch, da der LKW Fahrer mich quasi mitten an einer Kreuzung rausliess.
Wo prinzipiell keinerlei Haltemöglichkeit ist und das ganze irgendwie eine Baustelle war. Doch hier fand ich schon nach fünf Minuten meine nächste Mitfahrgelegenheit, die auch kein Englisch sprach, aber jünger war und irgendwie fühle ich mich nun sicherer. Es ging dann von circa 600m auf Meeresniveau runter. Was sich nach wenig anhört, aber es war einfach ein Erlebnis.
Die eher staubige, braunfarbige Eintönigkeit löste sich zunehmend in mehr und mehr Bewaldung auf und irgendwann dann stieg ich aus und es war warm und grün und ich bin so unglaublich froh darüber, dass ich diese Strecke auf diese Weise an diesem Tag zurückgelegt habe.

Nun war es fünf Uhr und ich hatte von da an leider kein Glück mehr, kein Auto hält mehr und so stehe ich zwar bis in die Dämmerung und laufe dann etwas entmutigt dort in ein Waldstück und baue dort mein Zelt auf. Wie gut, dass ich dafür alles dabei hab.

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