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Istanbul (not Constantinople) #1

Türkiye. So nah und doch so fern.
Wie es sich schon mit den bereits besuchten Ländern verhielt, so war auch die Türkei für mich stets ein weit entferntes Land, von dem ich lange dachte, dass ich es nie besuchen würde – weil: genau, so weit weg… Und eigentlich habe ich bis zu meinem Besuch auch nicht so richtig gewusst oder verstanden, wie viele Deutsche hier tatsächlich unterwegs sind.

Erste Station: Istanbul. Mal wieder so ne große Stadt,eine lebende Legende und wenn man bedenkt, was man sich hier so alles anschauen kann, bleibt eigentlich nichts als pure Überforderung.
Ziemlich übernächtigt lief ich am ersten Tag durch das Viertel Taksim, auf der Suche nach einem günstigen Hostel. Auf meine Couchsurfinganfragen kam magere Resonanz in Form von Absagen. Nachdem ich ziemlich viel herumgeirrt war, hab ich mir dann direkt den Lonely Planet Turkey gekauft, um zu etwas mehr Orientierung zu gelangen…

Nun zum zweiten Mal, seit Ägypten, bin ich auf ein volles Hostel gestoßen, was ziemlich interessant „alternativ-links“ aussah und in dessen Aufenthaltsbereich ich sogar Deutsche höchst politisch-gebildet daherquasseln hören konnte. Aber es ist ja voll, also nicht. Ich komme in einem anderen Hostel unter, was dann zwar halt 10€ kostet, aber über die Zeit hab ich mich dann dran gewöhnt, dass es schwierig ist in der Türkei etwas deutlich unter diesem Nivau zu finden. Ist aber auch nicht schlimm, muss man halt nur wissen 🙂
Diese Unterkunft hatte eine lustige Duschkonstruktion, die nicht so untypisch für türkische oder eher generell nahöstliche Badezimmerkonstruktionen zu sein scheint. In diesem Fall war es aber extrem. Es gab keine Halterung für den Duschkopf und irgendwie wirkte alles so klein, dass es einfach komisch war einen halben Meter neben sich das Klo zu haben, den Duschkopf über mich zu halten und zu versuchen hierbei möglichst nicht meine trockenen Klamotten unter Wasser zu setzen. Wobei danach eigentlich alles unter Wasser ist. Generell habe ich nie Duschen mit Vorhängen gesehen und alles ist auch stets auf einer Ebene. Es erscheint mir aber auch praktisch: das bauen einer Kabine bedeutet mehr Kosten und wenn man einfach alles unter Wasser setzt, wird das Klo einfach passiv gereinigt.
Soviel zu den Sanitärwissenschaften.
Am ersten Tag hab ich natürlich nicht mehr gemacht, als mich über die weiche Matraze zu freuen und sie mit meiner Anwesenheit zu versehen.

Wohnformen
Am zweiten Tag hat sich dann doch ein Couchsurfer bei mir gemeldet und so mache ich mich auf und lande in einer vierer Männer-WG, die sich zwei Schlafzimmer und ein Wohnzimmer teilen – also ziemlich beengt und ohne Rückzugsraum. Mein eigentlicher Gastgeber ist so gut wie nie da, da er für versch. Institute oder so arbeitet und so werde ich hauptsächlich von einem anderen Mitbewohner, einem Iraner, „betreut“, der für sein Studium in die Türkei gekommen ist. Die anderen zwei im Bunde sind Cousins, von denen einer als Polizist arbeitet und der andere zur Zeit arbeitslos ist und die ganze Nacht über ein Online-Rollenspiel spielt. Die letzten beiden sprachen leider auch kein Englisch. Der Polizist ist auch, dank familiärer Planung, verheiratet, seine Frau lebt in der Gegend um Antalya – sie sehen sich aber manchmal.

Dieser Aufenthalt hat, wie schon in Ägypten ziemlich eindrucksvoll, ermöglicht die jeweilige Lebensrealität ein Stück kennen zu lernen.
Ich fand und finde es immer noch etwas blöd zu lesen, dass die Türken ja besonders Gastfreundlich seien und so weiter – aber es ist halt so, wenn ich es aber nicht erlebe, kann ich eigentlich nichts damit anfangen und sehe vor allem auch nicht direkt, dass das nicht zwangsläufig nur etwas positives – gerade für die Gastgeber sein kann. Noch dazu, habe ich das Gefühl, dass diese Stereotypen „Gastfreundlich, Warmherzig“ irgendwie so etwas negatives haben – etwas, dass ich besonders hervorhebe, aber verhalte ich mich zurück zu Hause denn wenigstens so, dass man denken kann, ich würde so etwas stereotyp positives in meiner Heimat auch realisieren wollen?
Oder ist es nur die Erwähnung für den Augenblick, aber nacher bin ich dann doch froh, dass es in Deutschland so zugeht, wie es zu geht? Wieso erwähne ich dann diese besondere Form? Schaue ich dann nicht von oben herab? Natürlich kann man es nicht bei den Überlegungen belassen, aber das lass ich jetzt mal trotzdem so.

Ali, mein Betreuer, nimmt sich also hauptsächlich meiner an und läuft den ganzen Tag mit mir rum und da gibt es natürlich einiges zu erfahren – z.B. über Gastfreundschaft. Was es also bedeutet, wenn ein Gast zu Hause ist, das erwartet wird, dass der Gast was mitbringt, aber auch dass das eigene Heim dem Gast ganz zur Verfügung gestellt wird etc. Sehr lustig fand Ali, dass scheinbar ausserhalb des Irans ein uns nicht ganz unbekanntes Urheberrecht gilt und das wir nicht legal Filme, Programme und Musik runterladen können, wofür es im Iran eben kein Verbot gibt.
Auch erwähnenswert finde ich seine Positionierung, dass er als stolzer Iraner im Grunde die Araber hasst, da sie durch oder mit dem Islam die persische Hochkultur zerstört hätten. Gläubig ist er trotzdem.

Girls, Girls, Girls
Neben all den Erkentnissen um die kulturellen Unterschiede war für mich vor allem der Eindruck prägend, wie traditionelle muslimisch geprägte Vorstellungen auf die „moderne Welt“ insbesondere bezüglich der Einstellung zu Frauen treffen.
Nehmen wir den sinngemäßen O-Ton meines Gastgebers „If you’re rich, you can bang a lot of girls“.
Stille. Räuspern…Oookay… Wo anfangen?
Mein Gastgeber ist Muslim. Trinkt nicht, betet nicht regelmässig, ist aber halt gläubig. So von wegen eine Jungfrau heiraten und so. Für ihn besteht jedoch die unweigerliche Tatsache, dass russische und europäische Frauen doch eigentlich nur darauf warten, dass der nächste um die Ecke kommt und sie begatten will. Dass dann eine andere Couchsurferin, die vor mir bei den Jungs war, dann tatsächlich mit meinem iranischen Betreuer ins Bettchen hüpft scheint diesen Tatbestand ja nur noch zu bestätigen. Bevor es so weit ging, hatte dann mein Gastgeber den weisen Ratschlag für Ali parat, dass man Frauen am besten mit Geschenken rumkriegt – so läufts.

Für mich sind all diese Annahmen um die wilde Freizügigkeit der europäischen Frauen natürlich erstmal etwas verwirrend – da hat mich dann wohl meine eigene Normalität zu sehr eingenommen. Die prinzipielle Möglichkeit, dass es erstmal garnicht verwerflich ist mit jemand zu schlafen mit dem man weder verheiratet noch verlobt ist und vielleicht auch nicht in einer Beziehung, kann dann aus deren Blickwinkel eigentlich ein klares Indiz für hemmungslosigkeit und totale Wolllust sein.
Die Frage ist, wo ist das Problem? Die Antwort ist, irgendwo nirgendwo aber andererseits hat es ja Konsequenzen für den Umgang mit Frauen. Was bedeutet es also für muslimische Frauen, wenn solche Frauen in das Land kommen und sich die Männer um sie reissen, was bedeutet es für reisende Frauen, wenn sie klar gegenüber anderen Frauen abgewertet oder jedenfalls anders bewertet werden? Übrigens: russische Frauen stehen scheinbar überall in der Türkei hoch im Kurs.

Mehr dazu und zu dem typischen Sightseeing erfahren Sie im zweiten Teil!

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