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Von totem Gewässer zu Wachtürmen

Drei Stunden hat es gedauert bis wir die 90 Kilometer von Betlehem nach En Gedi per Anhalter bewältigt hatten. Aber interessante Dinge sind passiert. Nach unserer ersten Fahrgelegenheit kamen wir an einer Bushaltestelle an, von welcher auch zwei orthodoxe Juden trampen wollten. Ziemlich schnell hielt ein Auto an und sogar genau vor unseren Füßen. Wer mag da von Zufall sprechen, dass es ein Palästinenser war? Jener bot uns dann auch an, uns noch weitere ca. 5km bis zur nächsten Kreuzung zu fahren – für 10€. Absolutes Schnäppchen. Da er guterdings für die eigentliche Fahrt kein Geld wollte beliessen wir es dabei.
Unsere letzte Fahrgelegenheit brachte uns dann pünktlich während des Sonnenunterganges direkt nach En Gedi und sprudelte nur so vor lauter Tipps was man alles in der Gegend ums tote Meer machen kann, wo heiße Quellen sind bla bla bla. Sein Lebensgefährte war übrigens Deutscher und den Karneval in Köln fand er gut.

Hier geht es zu den Bildern vom Toten Meer

Da waren wir also in En Gedi, irgendwo an, nicht in, der Mitte des Toten Meeres, über 400m unter dem Meeresspiegel und zu unserer Freude war es angenehm warm, im Sommer ists sogar unangenehm warm. Wir waren nicht die einzigen mit der Idee dort zu campen, aber immerhin gab es noch genug Platz auf viel zu steinigem Boden. Die Nacht war warm, aber eindeutig zu windig – aber immerhin sei der Wärme gedankt, dass wir uns auf Innen und Außenzelt des EinMenschZelts verteilen konnten. Hier haben wir auch die zweite Nacht in der Nähe eines circa 50 jährigen Amerikaners gecampt, der irgendwie auf dem Israel National Trail unterwegs war oder auch nicht. Jedenfalls hat sich für mich oft genug bestätigt,dass man auch an der Schwelle vom Spätsommer zum Herbst des Lebens seine sieben Sachen packen und in Stadtparks schlafen und monatelang unterwegs sein kann. Muss nicht, geht aber.

In En Gedi gibt es aber nicht nur das tote Meer auf dem es sich vorzüglich nicht untergehen lässt, die Gegend ist auch Naturtechnisch geschützt, wo es einige Tiere zu beschauen gibt.
Übrigens hatten wir ja schon Angst vor großen Schmerzen, da wir gelesen haben, man würde das Salz an allen kleinstverletzten Stellen der Haut spüren – brennend!
Totale Entwarnung ohne Garantie von unserer Seite: Wenn die Haut im halbwegs normalen Zustand ist, ist es unproblematisch und mach Spaß, nur beim reinlaufen ist es etwas unweglich. Nix von wegen bequemer Sandstrand..
Nun zu den Tierchen: Im Naturpark von Ein Gedi gab es unter anderem die kleinen Klippschliefer zu bestaunen, die ziemlich nah an den vorgegebenen Wegen wohnen und daher gut beobachtbar waren. Die sahen ziemlich putzig aus und hängen mit ihrer Gang am Morgen meistens auf den Steinen oder in den Büschen rum um sich aufzuwärmen. Auch sind die nicht von gestern und haben einen eigenen Kindergarten, in dem sich dann halt der Nachwuchs tummelt. Ohne Scheiß. Wenn es einen Fanclub gäbe, wäre Judith Mitglied. Es empfiehlt sich übrigens auch ein früher Besuch, da gegen Mittag plötzlich Horden von Schulexkursionen vor den Toren stehen – Menschen, nicht Klippschliefer.
Auch ein Erlebnis, aber besser wenn man schon seine Exkursion hinter sich hat 🙂

Nach zwei Tagen nahte dann nicht nur der Abschied vom toten Meer, sondern auch von Judith, aber erstmal ging es für uns noch auf nach Mitspe Ramon. Durch bergige und wüstige Landschaften fuhren wir und vereinzelt konnte man Siedlungen ausmachen, die nicht so richtig israelisch aussahen. Verschläge aus Blech, Traktoren, überall irgendwas rumliegend. Das waren wohl Siedlungen der Bedouinen und wie mir jemand sagte, ist es nicht so, dass die Bedouinen zwangsläufig arm sind, sondern einfach weniger Wert darauf legen sich ein Otto-Normal-Haus zu bauen – kann ich schwer beurteilen.

Der Wachturm
Mitspe Ramon lässt sich in so etwas wie „Wachturm des Ramon“ übersetzen und kommt wohl zu seinem Namen dank der geologischen Aktivitäten der Erde.
Irgendwann vor ein paar vielen Jahren, als die Welt noch nichtmal von Moses sprach, haben sich hier die Erdplatten rumgewälzt, sind abgesunken, aufgestiegen und formten das Bild was sich uns hier ergab. Eine Stadt am Rande eines Kraters der steil abfällt und in das weite Tal der Wüste führt. Die sieht hier übrigens auch besonders schön aus.
Mitspe Ramon selbst wirkte ein bisschen wie ausgestorben, im Reiseführer stand, dass man hier viele Sorten Wodka kaufen konnte, was auch tatsächlich der Fall war. Wir kamen auch in dem bislang wohl kleinsten Hostel unter, welches zwei Dormitory Zimmer mit 3 Zweietagenbetten und zwei Privatzimmern hatte. Einfach so mal ne Wohnung umgebaut.
Also was macht man hier? Genau! Auf den Erlöser warten oder halt wandern gehen.

Hier geht es zu den Bildern der Wanderung

Am Ende unserer Wanderschaft landeten wir dann an einer Straße und versuchten zurück zu trampen, was ziemlich vergebens war, obwohl es doch „nur“ wieder vom Tal zurück auf den Berg ging. Wir liefen in eine andere Wandersgruppe, die aus zusammengewürfelten Freunden bestand, welche wiederum auf andere Freunde warteten,die sie aufpicken wollten. Die wollten uns dann glücklicherweise mitnehmen.
Was dann hieß, das wir wohl eine halbe bis ganze Stunde mit ihnen auf die Freunde, die in fünf Minuten kommen sollten, warteten. Aber: so lernten wir dann ein Deutsche kennen, die mit einer Kommilitonin hier war und die ich dann ein paar Tage später, per Zufall bei unseren Couchsurfern mit der Katze Gurki wiedertraf. Kleine Welt.

In diesem Sinne gibt es von den letzten Tagen in Israel nicht viel mehr zu sagen als: schaut es euch auf den Bildern an.

Letzte Worte
Über Israel gibt es eine Menge zu schreiben, sprechen, denken, sagen, malen, singen. Aber das ist nicht so mein Part. Irgendwie ist es,rückblickend, irreal dagwesen zu sein, wo ich doch so lange dachte, dass es so weit weg, gefährlich und überhaupt ist. Und irgendwann dann bin ich da und lebe sogar noch. Schwierig fällt es mir trotzdem all die möglichen Dinge in Zusammenhängen zu sehen, von einer Positionierung bei Israel/Palästina Fragen mal ganz abgesehen. Gut ist es jedenfalls mal dagewesen zu sein und irgendwie ist es auch schon lustig, dass man sich auf einmal so religiöse Orte tatsächlich anschauen kann, bzw. da steht wo DIE mal standen, pupsten, sich an die Haare entfilzten…
Vielleicht kann man dann auch in religiöse Ekstase entgleiten, für mich hat das die ganze Sache dann eher nochmal auf den Boden der Tatsachen geholt.

Am Flughafen wurde ich dann übrigens einer ganz besonderen Kontrolle unterzogen –hatte die ganze Zeit einen Security Mensch an meiner Seite, der mich 1:1 durch die Sicherheitsdinger brachte und dann noch in einer Kabine persönlich durchsuchte, aber war schon alles ziemlich professionell, so zwischen 4 und 5 Uhr… Mehr als, dass ich Stichprobenmässig gezogen wurde erfuhr ich leider nicht. Aber ist ja auch kein Problem. Trotzdem haben die Kontrollen rund 2h30min gedauert.
Rückblickend betrachtet lohnt sich diese Wartezeit.

Aufeinmal kann ich nun anders an Israel denken und im Grunde über jedes nun besuchte Land. Die vorigen Stereotypen, die ich mir durch die Medienwelt gebildet habe, sind jetzt ersetzt durch die Stereotypen, die aus meiner direkten, super beeinflussten, Wahrnehmung stammen.
Aber die sind irgendwie besser, handeln mehr von Essen, Kultur, Menschen und Landschaften als von Explosionen, Soldaten und Truppenübungen – aber auch die hab ich gesehen und scheinbar, teilweise, verdrängt…

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