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Stern über Betlehem

Mensch kennt Ihn ja, den Vorher-Nacher Effekt.
Vor unserem Besuch wäre mir beim ersten Gedanken an Betlehem wohl eingefallen: das Jesuskind, die drei Heiligen und das wars auch schon. Wenn ich jetzt an Betlehem denke, sehe ich eine große Mauer, ein unschönes Städtchen und coole Nonnen.

Aber der Reihe nach:
von Jerusalem kommend gingen wir davon aus, dass wir durch den berühmt berüchtigten Checkpoint zwischen Jerusalem und Betlehem müssen und uns interessante Dinge dort bevorstünden…Schikanierung durch die Militärs oder beobachten, wie die Palästinenser schikaniert werden und so…
Doch als wir so im Bus saßen lies der Checkpoint auf sich warten und warten und irgendwann hieß es Endstation. Willkommen in Betlehem und vielmehr noch: willkommen auf arabischem Gebiet. Kaum sind wir aus dem Bus gestiegen, werden wir, wie gewohnt ,von fünf Menschen gleichzeitig belabert. In Ägypten gibt es den Egyptian Price und was gibts hier ? Genau: Palestinian Price: Taxifahrt zur Mauer, Hotel, was auch immer man will.

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Aaamen
Wir liefen zur Touristeninfo und wurden an die „Sisters of Mercy“ weitergeleitet, ein italienischer Nonnenorden, der verirrten Schäfchen Obdach gewährt..Wenn Maria und Josef das gewusst hätten.. Begrüßt werden wir von einer herzlich, auf italienisch, schwatzenden, kleinen Nonne, die uns auf unser Zimmer führt. Wir fühlen uns so richtig bemuttert: kriegen Tee aufs Zimmer gebracht, ein wunderbar ausgiebiges Frühstück und wann immer wir Ihr oder ihren Kolleginnen begegnen werden wir angelächelt und mit irgendwas vollgequatscht. Das schönste, zum ersten Mal mussten wir nicht unsere Pässe abgeben, damit sie irgendwo eingetragen werden und wir konnten zahlen wieviel wir wollten..natürlich gibt es eine stillschweigende Übereinkunft was das Minimum betrifft.

Betlehem hat einen ganz netten Altstadtkern mit dem obligatorischen Bazaarfeeling. Heißt also man wird wieder angequatscht und eingeladen sich irgendeinen Krams zu kaufen. Sehenswert ist natürlich die Geburtskirche vom Jesuskindle. Hier kann man sich die Grotte anschauen, wo der Heiland dann angeblich geboren wurde. Dafür muss man dann aber in einer Schlange mit anderen, vornehmlich russischen, Besuchern stehen. Haben wir nicht gemacht.

Wieder und wieder boten sich Taxifahrer uns an uns zur Mauer zu fahren, um sich dort die Graffitis des berühmten Sprayers Banksy anzuschauen. Als besonderes Schmankerl der Tour stünde dann ein Abstecher in ein Refugee Camp an. Eine schwierige Situation. Wir haben immer wieder abgelehnt und ich habe versucht den Menschen klar zu machen, dass wir es als abwertende Handlung sehen jemanden dafür zu bezahlen, damit er uns wohin fährt um zu sehen, wie Menschen leben. Das war und ist für uns nichts anderes wie als würde man in den Zoo gehen und ist einfach nur bitter. Die Menschen sahen das anders. Natürlich. Wir sollen ja sehen, wie die Menschen dort leben, das dann allen erzählen und im besten Fall tut sich dann etwas an ihrer Situation. Weiterhin: sie verdienen Geld (ohne Wertung).

Politics
Wir sind dann selbst zur Mauer gelaufen und es sieht schon krass aus, wie sich dieses Bollwerk einfach durch die Landschaft und noch wesentlicher durch die Stadt zieht. Berechtigte Kritik herrscht daran, dass diese Mauer auf palästinensischem Gebiet steht, hierdurch also den Palästinensern noch mehr, der ohnehin geringen Fläche abhanden gekommen ist.
Die Mauer selbst ist vollgesprayt mit mehr oder weniger guten oder ansprechenden Graffitis. Es scheint so, dass es einen gewissen Streetarttourismus hierhin gegeben hat, denn diese Form von Kunst ist mir bislang in der muslimischen Kultur noch nicht so aufgefallen. Ein interessantes Projekt sind Tafeln, die individuelle Schicksale beschreiben und an der Mauer angebracht wurden.

Auf dem Rückweg kamen wir dann an einem Flüchtlingscamp vorbei und im wesentlichen führte dies zu einer Begriffserweiterung. Flüchtlingslager sind in Palästina nunmal etwas anderes als in Syrien oder sonstwo in der Welt und das ist natürlich auch gut so. Mit einer gewissen Ignoranz mag ich das ganze wohl erstmal relativierend wahrgenommen haben, da ich die Wohnsituation wenig anders oder „katastrophaler“ als in Ägypten oder Jordanien erachtete.

Dies richtig zu betrachten, dafür fehlen mir dann auch einfach die Informationen und so möchte ich nicht im geringsten abwerten, dass es ein Anliegen der Palästinenser ist auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Eine Reisebekanntschaft schrieb mir zu ihrem Eindruck von der West Bank, dass es ein „Open Sky Prison“ wäre…

Einzig zum Refugee-Status lässt sich von meiner Seite etwas sagen. Sofern ich das Gespräch mit einem Israeli-Couchsurfer richtig verstanden habe, wird der Refugee Status vererbt – was für Flüchtlinge anderer Länder nicht gilt. Für die Flüchtlingsnachfahren in Jordanien, Syrien, Libanon bedeutet das Lebenslang von den Exklusivitäten einer Staatsbürgerschaft ausgeschlossen zu werden. Ob jetzt die Palästinensischen Flüchtlinge die in den Camps leben, weniger Rechte haben als die, die Palästinenser aber nicht Flüchtlinge sind, weiß ich nicht.

„In essence, there’s no such thing as Palestinian refugees. If people would stop calling the places in which they live „refugee camps,“ then they would see that these places are just like villages and towns anywhere else, and the inhabitants are totally rehabilitated… Refugee camps are like the maabarot [in which Israel housed its hundreds of thousands of new immigrants from North Africa and elsewhere] in the 1950’s or the camps now in Haiti – not the villages with streets and stone houses in what is known as Palestinian refugee camps of today. “ (Prof. Nitza Nachmias: http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/135908#.T4lJsdksBck

Dies ist folgendem Artikel entnommen, der sich damit beschäftigt ob oder eher, dass UN-Organisationen der „Flüchtlingsfluch“ zuzuschreiben ist: http://www.danielpipes.org/1206/unrwa-the-refugee-curse

Whats your purpose?
Aus Betlehem raus trampten wir dann und wurden von einem netten Menschen mitgenommen, der Medizinzubehör ausfährt. Kaum aus Betlehem raus hielten wir an einem Checkpoint an dem unser Fahrer dann sein fröhliches Auftreten verlor und schon beinahe unterordnend wirkte. Die Israelischen Soldaten fragten ihn barsch aus. Für ihn die selben Fragen, die er täglich beim rein und rausfahren hören muss. Für uns interessierte man sich wenig. Lediglich wurde wie gewohnt gefragt, was unser Anliegen in Israel ist.
Es reicht aus Tourist zu sein.

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