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Auf in den Norden – oder: Haifa, Haifa!

Nächste Station: Haifa. Naja, wenn das denn so einfach wäre.. Erstmal heisst es ratlos am Bahnhof in Tel Aviv rumstehen und versuchen aus den vielen Durchsagen irgendwo das Wörtchen „Haifa“ zu erhaschen. Glücklicherweise verstehen die hebräischsprechenden aus gewissen Gründen mehr und so kommen wir letzten Endes dann doch auch in den richtigen Zug. Das erinnert mich an unser Zug-Erlebnis in Ägypten, wo scheinbar nirgendwo angesagt oder gezeigt wurde wohin der nächste Zug denn eigentlich fährt.. Aber da hatten wir ja auch dienstbeflissene Touristenpolizisten und Bahnhofsmitarbeiter an unsrer Seite…Hier helfen dann die netten potentiellen Zugfahrgäste aus der Nachbarschaft…

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Haifa ist, so sagten’s unsere Couchsurfer, ganz schön aber besonders schön langweilig. Gegen Tel Aviv kommt man da halt nicht an. Wir kommen hier bei einem Pärchen: Erez und Hila und Gurki unter. Gurki ist die Haus und Hofkatze und bemüht den Mittelpunkt des Interesses zu erreichen und diese Festung auch nicht so schnell zu verlassen.
Es scheiden sich die Geister, so Erez, ob Gurki nun überaus intelligent oder überhaupt nicht helle ist. Er legt sich besonders gerne bei jemand auf den Zwischenraum von Laptop und Schoß oder Buch und Schoß. Hebt man ihn dann weg, kommt er wieder. Das ganze Prozedere wiederholt sich drei, vier mal und dann lässt er es bleiben…für die nächste halbe Stunde. Nachts liegt er auch besonders gerne auf oder neben einem Gesicht. Hier läuft die Geschichte dann ähnlich ab. Ich hab ihn einfach mal machen lassen und fands eigentlich ganz cool.
Bemerkenswert ist auch, dass er nicht miaut wenn er draußen ist und wieder Eintritt verlangt. Manches mal miaut er, aber dann muss er wohl schon lange draußen gewartet haben – ob er an telekinetischen Fähigkeiten arbeitet?

Sightseeing
Hauptattraktion in Haifa mögen wohl die Bahai Gardens sein. Ein ganz schön beachtliches Floristenprojekt, was im Zusammenhang der Bahai-Religion steht, die im 19. Jh der Herr Baha’u’llah entwickelt hat. Leider konnten wir die Gärten nicht betreten, da Wolken am Himmel waren und somit der Eintritt gesperrt wurde. Naja gut, ein bisschen windig war es auch. Wir standen natürlich nicht allein vor geschlossenen Türen. Drei Busladungen voller Hobbyfloristen hat das Wetter wohl auch einen Strich durch den Tourplan gemacht.
Eines Abends testen wir dann die Kneipe um die Ecke, wo sich bei einer Jamsession ziemlich gute Musiker Runde für Runde abwechselten. Ich bin beeindruckt und erfreut. Das Bier war auch gut.
Eine besonderer Spaß in Haifa ist natürlich auch mit der Carmelit zu fahren. Dieses kleine U-Bähnchen verbindet Downtown Haifa auf Seelevel mit Uptown Haifa auf Berglevel. Interessanterweise ist die Bahn so geschnitten, dass sie passgenau zum Steigungsniveau der Treppen passt…wisst was ich mein, gell?

Von Haifa machten wir uns auf eine Tour ans nördliche Ende von Israel. Dort, an der direkten Grenze zum Libanon gelegen, liegt Rosh Haniqra. Hier hat sich das Meer viel Mühe gegeben und die Klippen hingebungsvoll ausgehölt, auf dass man durchs Gestein wandern und die Brandung in den Felsen strömen sehen kann. Menschen haben hier, mindestens, zweimal Geschichte gemacht. Zum einen geht die Legende um, dass ein der Heirat versprochenes Mädchen, vermutlich, auf dem Weg zur Hochzeit den Freitod in Kauf nahm um dies Schicksal abzuwenden. Zum andern fuhr hier auch mal eine schwäbsche Eisenbahn durchs Gestein, diesmal nicht die der Ottomanen, sondern die Engländer waren hier am Werke.
Für diesen Ausflug saßen wir dann auch tatsächlich ganze fünf Stunden nur in Bussen, obwohl die Strecke sich auf maximal 200km hin und zurück belief. Naja, dadurch sind wir halt was durchs Land und vorallem durch Stadtteile gegurkt. Auch wenn es an diesem Tage blöd war, so gilt natürlich unsere uneingeschränkte Solidarität mit den zu diesem Zeitpunkt streikenden Bahnkräften.
Soweit ich mich richtig erinnere, sind die Streiks sogar nicht primär im Eigeninteresse erfolgt, sondern auch grade für all jene, die wohl Arbeit haben, aber wesentlich benachteiligter sind, illegal arbeiten müssen, etc. Wie verhält es sich da eigentlich in Deutschland?
Von Haifa machten wir uns dann auf nach Tiberias an den See Genezareth. Wir kommen also so langsam richtig auf heiliges Terrain. Wir steigen in einem Hostel ab, mit erstmals moderateren Preisen. Für 10€ pro Nase haben wir ein ganzes Dormitoryzimmer für uns. Aber der richtige Luxus verbirgt sich dem Betrachter auf den ersten Blick. Er liegt in der überaus kuriosen Konstruktion der Toilette und Dusche direkt in diesen Raum. In jenem Falle bin ich auch ganz froh, dass wir den Raum für uns hatten…
Der Toilettenraum war letztlich nur eine Holzwandkonstruktion, deren „Decke“ zu 3/4 auflag und wenn man nicht im Dunkeln sitzen wollte, hätte man schon die Tür auflassen müssen.
Nichtsdestotrotz, lustig wars und Kaffee gab’s auch umsonst :).

Brumm Brumm..
An Tag 2 in Tiberias mieten wir uns einen Kleinwagen. Der Plan: für drei, vier Tage durch die Golanhöhen fahren, wandern und zelten. Das Ergebnis: ein anderes.
Aus Kostengründen bot es sich an mich als Fahrer zu nehmen, aus psychologischen jedoch weniger. Bis zuletzt stresste mich die plötzliche Verantwortung für das Auto. Aber erstmal war es natürlich cool einfach dahin fahren zu können, wo man hin will. So können wir natürlich auch kleine Stopps machen und schauen uns Kapernaum an. Hier haben orthodoxe Christen eine nette Kirchenanlage hingestellt, deren Kircheninneres ähnlich kitschig wie in Ägypten ist, jedoch prinzipiell auch total anders. Sagt der Fachmann.

Eigentliches Ziel ist aber die Gamla Nature Reserve und auf dem Weg dorthin fängt es an ein wenig zu dröppeln. Glücklicherweise entscheiden wir uns dann aber doch den Eintritt zu zahlen und uns mit gut Matsch an den Schuhen zu einer Aussichtsplattform auf einen Wasserfall zu begeben. DEN Gamla Wasserfall. Jaja…
Auch gibts in dem Park Geier, die dort aufgezüchtet werden – sich hierfür kurioserweise in einem Käfig aufhalten und die Umgebung beobachten können sollen. Diese, so erfuhr ich später, können am Tag tausende von Kilometern zurücklegen. Irgendwo in Jordanien oder Saudi Arabien werden sie dann jedoch meistens vom Himmel geholt. Glück im Unglück hatte dann ein Geier der in Saudi Arabien aufgegriffen und vorläufig der Spionage durch den Mossad beschuldigt wurde. ( Nachweis)

Wie geplant bauen wir also Abends unser Zeltlager auf. Sofern man bei einem Ein-Personen Zelt von sowas sprechen kann. Obwohl es am frühen Abend trocken war, regnete es die gesamte Nacht durch, was uns etwas unruhig hat schlafen lassen, da das Aussenzelt auf dem Innenzelt lag und die Folge könnt ihr euch natürlich denken… Wie gesagt, die ganze Nacht..
Als dann langsam der Morgen graute wagten wir mal den Blick aus dem Zelt. Was erblickten wir? Einen See. Lustig schwammen da unsere Schuhe im Wasser rum, das Quietscheentschen hat sich voreilig vom Staub gemacht, ihm wars zu kalt.
Die Lage im Zelt sah es ein bisschen besser aus, aber auch nicht viel mehr. Entweder durch mangelnde Abspannfähikeiten oder auch weil zwei Personen halt nunmal eine zu viel in einem Einpersonenzelt sind hat sich bei uns ein kleiner Schwestersee gebildet.
Wie froh waren wir natürlich nun ein Auto zu haben, da es den gesamten Tag nicht aufhören sollte zu regnen und wäre unser Gepäck nicht im Auto gewesen..dann.. oh weh, oh weh.
Die gesamte Planung für die nächsten Tage war natürlich nun in den Bach gehüpft ohne auch nur auf Nimmerwiedersehen zu sagen.

Wir versuchten dann unser Glück in der Stadt Zafed, die als recht religiös gilt und eigentlich auch ganz schön war, nur war Freitag und die Stadt wie ausgestorben und noch dazu regnete es hier und es war nochmal kälter. Also wars eigentlich umsonst, aber gut. Wir waren halt mal da :).

Wir fahren also zurück nach Tiberias, geben das Auto ab und nehmen den Bus nach Jerusalem.
So kann’s gehen.

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