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Wüstenstadt und Ferse platt

Endlich. Nach drei Wochen hebräisch hören und Wüste sehen geht es raus in die weite israelische Welt. Nun gut, fangen wir klein an, für mich geht es erstmal nach Be’er Sheva. Dies ist die Hauptstadt der Wüste, Universitätssitz und wenn man Israelis fragt, unglaublig langweilig. Ich komme bei einem Couchsurfer mit Freundin unter und als wir dann mit Freunden seiner Freundin essen gehen, kommt die ungläubige Frage, wie um alles in der Welt ich denn hier über Nacht bleiben könne. Die Burgerbar in der wir essen ist übrigens maßlos überteuert…dachte ich zumindest. Später stellte sich heraus, das ist hier nunmal so. Man muss sich einfach dreimal überlegen ob man einen Burger für 8€ bestellen will..Aber es gibt auch gutes zu sagen: mein Veggie-Burger, auf dem Menü mit dem Namen Marylin Monroe versehen, war größer und günstiger als die Fleisch-Burger. Fazit: 1:0 für die Idealisten!

Nun also weiter im Takt:

Einsichten
Israel stellt auch in gewisser Hinsicht einen Wendepunkt dar, was meine Auseinandersetzung mit dem Thema „Nahostkonflikt“ betrifft. Angesichts ideologischer Grundsätze und sprachlichen Barrieren ließ sich eigentlich wenig in Ägypten und Jordanien über die Situation in Erfahrung bringen. Die grundsätzliche Mentalität, wenn man es so nennen kann, ist jedenfalls besorgniserregend genug, dass ich eher froh bin, wenn mich niemand ob unseres großartigen Führers lobt.

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Nun verstehe ich zwar nicht mehr, aber ich habe mal etwas von Menschen direkt erfahren und gerade bei meinem Couchsurfer in Be’er Sheva: Tom war dies in einer gewissen Weise sehr interessant. Während er so darüber redet, dass die Palästinenser eine weitaus effektivere PR als die Israelis haben, fühlt man seine Wut in Form von Anspannung förmlich herüberschwappen. Er fährt fort, dass in der arabischen Mentalität Probleme auf einen Sündenbock projeziert werden und sie nicht bei sich selbst gesucht werden..Sowas wird natürlich nicht als Kernkompetenz für Friedensprozesse gehandelt. Weiter geht es, dass er so vor mir steht, nicht so recht weiss, was er so mit seinen Extremitäten beim Reden machen soll und man merkt die Anspannung und die gleichzeitige Unbeholfenheit, welche vielleicht ein guter Spiegel für die erfahrene Ausweglosigkeit ist.
Nach diesem Gespräch fällt das Thema dann aber eher unter den Tisch.

Zwei Tage lang schaue ich mir also Be’er Sheva an. Die Stadt hat tatsächlich touristisch nicht so viel zu bieten.Es gibt ein pompöses Asphaltdenkmal für Milizisten oder andere Menschen die Waffen benutzt haben, um in ’48 in Be’er Sheva isarelisches Terrain zu verteidigen. Sonst gibt es halt nur Stadt zu sehen, aber das find ich erstmal interessant genug. Reichenviertel, nicht-so-reichen Viertel und vor allem ein unglaubliches Gefühl, als ich Samstags durch die Straßen spazierte. Die Betonung kann man auf Ich legen. Nicht weil ich plötzlich größenwahnsinnig geworden wäre. Nein, ICH bin tatsächlICH der einzige in den Straßen. Ich fühle mich wie in einer Geisterstadt. Irgendwann komme ich wieder in bevölkerte Gegenden aber dennoch, in diesem Moment habe ich diese Leere und Stille als soviel stärker,wie z.B. ein Sonntag in der Eifel empfunden.

Aussichten
Sonntags geht es dann auf den Israel National Trail. Natürlich viel zu spät, weil ich ja dann doch noch hier und da was zu erledigen hab und sich so alles mal wieder verzögert. Kurz nach 6 stehe ich also, am Kibbutz Tzuba, unweit entfernt von Jerusalem, im Dunkeln , den Trail irgendwo vor mir liegend..
Über große Teile führte die Strecke jedoch auf ziemlich gut befestigten, befahrbaren Pisten, sodass ich rund drei oder vier Stunden Nachtwanderung startete. Das war eigentlich auch ganz schön, so ganz anders mit seinen Sinnen umzugehen, wobei auch der Fast-Vollmond einen guten Job verrichtete. Einmal kreuzte ich ein Camp und Hunde mussten sich dann wichtig machen und blöd rumbellen. Ich ging weiter, sah kurze Zeit später dann Taschenlampen hinter mir herleuchten, aber das war’s dann auch. Ist doch voll normal so um 8 Uhr abends im „Winter“ mit dickem Rucksack rumzulaufen..

Die nächsten zwei Tage führte mich der Trail häufig durch Naturschutzgebiete, nur um dann schnell wieder an einer Schnellstraße herauszukommen. Eines Abends begegnete mir auf einmal auf einem Feldweg ein Konvoi, von dem ich dachte, er sei militärischer Natur. Ich drehte schnurstracks um und fürchtete schlimmstes. Im Gegenteil, ich wurde gefragt ob man mir helfen könnte, ob ich wissen wöllte, wo ein guter Zeltplatz ist etc. Ich habe dann auf irgendeiner Baumplantage gezeltet, wo ich zuerst fürchtete, ich könnte den Besitzer verärgern. Der Mensch im Jeep sagte mir dann aber, dass wir ja hier in Israel seien und es somit jeden überhaupt nicht interessieren würde. Am folgenden Tag hielt wieder jemand an und fragte mich ob ich irgendwas bräuchte. Wie nett Menschen doch sein könnten… Tatsächlich hätte ich jemand gebraucht, der mir sagt, das 6 Liter und 3kilo Nahrung schleppen zu viel des guten ist. Das rächte sich dann bald und Schmerzen in der Achillesferse wurden laut. Sie ließen sich zwar auch ignorieren, aber auch nach einer Nacht klungen sie nicht ab, sodass ich es dann doch mit dem tapfer sein sein liess.

Dennoch war es ganz cool..Ich weiß nun, dass 30 kilo zuviel zum Wandern sind, zumindest untrainiert und auch, dass die israelische Natur ganz anders aussieht, als ich es mir dachte. Oft genug dachte ich an Irland oder sonst Europa mit Waldstücken weit und breit. Alle gefühlten fünf Kilometer bin ich auch an einer großzügig angelegte Parkanlage mit Feuerstellen, Parkbänken und Spielgeräten vorbeigekommen. Die Wegeinfrastruktur ist so schon ziemlich gut, aber somit auch wenig herausfordernd und weniger super-begeisternd als schön anzusehen.

Etwas reumütig mache ich mich aber auf den Weg weg vom Trail und begebe mich nach Tel Aviv, um mal wieder ein paar Tage nix zu tun und mich auf Judiths Ankunft zu freuen.

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