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Shalom Israel! Vom Resort in ’nen Siedlerort

Als meine Mutter vor 20 Jahren ins gelobte Land reiste hatte sie einiges zu erzählen. Das, was mir als 5jährigem dann im Sinn geblieben ist, war folgende Vorstellung: sie reiste durch eine menschenfeindliche Wüste, stets von der Gefahr bedroht von bösen Männern erschossen zu werden.

Mein Eindruck von Israel ist nun glücklicherweise ein anderer und überhaupt ist es schwieriger als noch in Ägypten und Jordanien alle Eindrücke einzusortieren.

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Rein ins Land
Gefürchtet habe ich mich ja schon etwas vor der Einreise. Den jungen Europäern unter uns sind richtige Grenzübergangserlebnisse ja eher kein Begriff, vielleicht noch eine eher eine vage Erinnerung. Nun gehe ich also frohen Mutes auf meinen ersten Grenzübergang zu, voller Sorge ob der kommenden Dinge. Und was passiert? Nichts passiert. Ich komme super durch die Kontrolle, werde nicht mal ausgefragt und die nette Dame bei der Visavergabe fragt mich sogar von allein, ob ich mein Visum auf seperatem Papier haben möchte. Gerne natürlich. Das erhöht meine Chancen in Länder wie Syrien, Iran oder den Sudan zu reisen. Wenn sie denn nicht auf die Idee kommen, das mein Jordanischer Ausgangsstempel von einem Israelisch/Jordanischen Grenzübergang stammen könnte.
Zwei Dinge fallen mir auf: hier nimmt man Sicherheitskontrollen ernst. Während sie in Ägypten und Jordanien eher noch eine proforma Angelegenheit waren, nutzt man hier tatsächlich auch das Equipment, welches zur Verfügung steht. Zweitens scheint es teilweise super gute Radiosender zu geben.
Was für ein surrealer Moment, als ich durch die Kontrollen bin, über das ziemlich unbevölkerte Gelände laufe, um mein Geld zu wechseln und aus dem Radio Pink Floyd höre.

Via Eilat, dem Grenzübergang, machte ich mich dann ohne große Pause auf, um die ersten Wochen bei einer Familie in der Negev-Wüste Freiwilligenarbeit zu verrichten. Über Eilat kann ich wenig Worte verlieren. Da die Grenzsituation zu Ägypten nicht mehr so ganz die beste ist, wird Eilat wohl mittlerweile ein großer Teil des Strand und Tauchtourismus zufallen. Zugepflastert mit Hotelanlagen und hochglanzpoliert ist diese Stadt für mich nicht wirklich interessant gewesen. Andererseits war es schon die erste Begegnung mit israelischer Realität. Auf einmal gibt es wieder Frauen in normaler und enthüllender Kleidung, sowie überhaupt in großer Anzahl auf den Straßen zu sehen. Es ist zwar kein Geheimnis und man gewöhnt sich auch dran, aber der erste Moment in dem man in einem israelischen Bus sitzt ist schon ein besonderer. Je nach Fahrtziel besteht 50% der Passagiere aus Soldaten, von denen nochmals vielleicht 50% eine Waffe mit sich tragen. Nicht nur ein Pistölchen. Nene, richtige Gewehre, manche mit Granatwerfer oder sonstigem Spezialkram. Was denn Ingenieuren aus Amerika, Deutschland und sonstwo halt so einfällt.
Wo mir schon in Ägypten und Jordanien die Bewaffnung von Grenzpolizisten etwas überdimensioniert vorkam, ist das hier einfach mal die absolute Realität, wenn man in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist.

Ezuz
Erste Station des Israelaufenthalts war nun also Ezuz. Ein kleines Dörfchen nahe der ägyptischen Grenze gelegen und von rund vierzehn Familien bevölkert. Viele halten sich mit Tourismus oder, man staune, sogar Kunst über Wasser. Größtenteils vor kurzem, also vielleicht vor 10-15 Jahren, zugewandert, stellt dieses Örtchen nun nicht gerade eine typisch israelische Siedlung dar. Rückblickend wäre es sowieso wohl besser gewesen, erstmal durchs Land zu reisen und dann dorthin zu kommen.
In der Gegend findet man übrigens viele türkische Ruinen. Ein altes Krankenhaus, Zugbrücken oder sonstige halbeingestürzte Gebäudekomplexe. Hier verlief die schwäbsche Eisenbahn der Ottomanen, die bis nach Ägypten reichte..

Die Familie war herzlich und sehr interessante Lebenskonzepte liessen sich entdecken. Der Mann der Familie war Theaterartist und die Frau Akrobatin, sie hatten fünf Kinder, von vier bis fünfzehn alles dabei. Das aktuelle Projekt war Gästehäuser zu bauen, welche dann als Unterkünfte für Gruppen dienen sollten, die dorthin für Workshops oder was auch immer kommen würden.
Im weiteren wollen sie noch eine Art Freiluft Zirkus bauen. Interessant zu sehen, wie man dann dafür entsprechend versucht die Infrastruktur aufzubauen. Ich lebte in einer Art Studio, in der auch der Herr des Hauses seine Refuge hatte, während die Kinder mit der Mutter in einem anderen Haus lebten. Zum Essen war man dann mal da oder mal hier, wobei meist zum Shabbat Mahl dann die Kinder ins Studio kamen. Neutral und von außen betrachtet ist es eine wirklich interessante Sache gewesen, aber dennoch fiel es mir nicht so leicht, mich hineinzufinden. Ich empfand es schwer auszutarieren wie sehr ich mich nun in die tägliche Arbeit: Gräben graben, Sachen rumtragen und was halt so anstand reinsteigern sollte und wieviel Energie dann noch dafür übrig zu sein hat, sich für die Kinder und das Familienleben zu begeistern. Ein bisschen Krankheit kam hier dann zu Hilfe und letzen Endes konnte ich dann mit dem Herrn des Hauses auch gut darüber reden.
Um den Unklarheiten aus dem Weg zu gehen, hab ich mich dann auf Feierabendspaziergänge spezialisiert. Die in der Tat ziemlich cool waren. Mitten in der Wüste ist es dann doch ziemlich ruhig und besinnlich. Wenn man denn will. Immer wieder hat sich dann ein Hund dazu gesellt und mich begleitet, das war schön.

Das Erlebnis solch einer Großfamilie ist sowieso etwas besonderes, jedes der Kinder ist solch eine starke, eigene Persönlichkeit und wenn sie dann alle schreien, streiten oder lachen..das zu sehen, war einfach nur schön. Der drittjüngste war einmal unglaublich glücklich, als ich ihm ein raubkopiertes Computerspiel, was ihm der älteste Bruder organisiert hatte, installiert hatte. Mit soviel Begeisterung fiel es mir schwer umzugehen, da ich davon weniger begeistert bin, solche Fähgikeiten zu besitzen. Sind sie doch das Resultat langjährigen vor-dem-Computer-sitzens was mehr oder weniger in dem einzigen Gefühl resultiert, seine Zeit verschwendet zu haben. Und übrig bleibt was? Anderen Kindern diesen Weg ebnen zu können..Na super.

Früher als gedacht habe ich dann auch aufgehört um vor Judiths Ankunft schonmal etwas mehr von Israel zu sehen. Fast drei Wochen bin ich ja schon in diesem Land und sah nur Eilat und Ezuz.
Weiter führte mich also nach Be’er Sheva und dann auf den Israel National Trail, den ich letztlich dann doch nur drei Tage bewanderte…Und warum? Zu blöd zum planen scheinbar 🙂

Etwas unsicher bin ich noch mit dem Konzept „Freiwilligenarbeit“ im gesamten. Man kann ja eine Menge lernen, setzt dafür aber seine Zeit ein. Man kriegt einen Schlafplatz und Essen umsonst, arbeitet dafür dann jedoch hart. Und wofür ist das gut? Man hilft jemandem seinen Status zu halten oder vielleicht sogar auszubauen. Wäre es nicht sinnvoller in einer Nonprofitorganisation dieses Potential einzusetzen? Vielleicht. Ist man jedoch nur für eine, zwei oder fünf Wochen verfügbar kann man in einem Projekt, welches auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein sollte, wohl nicht so effektiv nützlich sein.Vielleicht aber auch schon. Es war erst meine erste Erfahrung und vielleicht sind es auch persönliche Neigungen die mich hier stark subjektiv werden lassen… Man muss sich wohl einfach wohl fühlen und dann ists jut..

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