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Begegnungen und eine Abschlussroute: von King Louis, dem schwarzen Siegfried und fleissigen Philipinas

Wo sind wir stehen geblieben? Genau, das ranzige Hostel erwies sich als Quell interessanter Begegnungen. Es ist der Herrschaftsbereich von King Louis. Louis ist Palästinenser ohne jegliche Papiere und ist 24 Stunden, sieben Tage die Woche im Einsatz. Hat auch Verwandte in Deutschland. Ein Hoch auf die deutschen Autos von der jordanischen Bevölkerung an dieser Stelle. Übrigens: Palästinensische Flüchtlinge machen 60% der jordanischen Bevölkerung aus. Zu Louis: Seine Persönlichkeit lässt sich als derb, aber dennoch herzlich und vor allem gesprächig bezeichnen. Groß wie ein Bär und mit tendenziell schmierigem Haar und super verhornhauteten Füßen (hab ich echt noch nie gesehen) ist er der, der den Laden in Schuss hält. Aus irgendeinem Grund landen hier ja, wie gesagt, ne Menge Japaner und auch alleinreisende Frauen, vermutlich nicht zu Louis Unbehagen.. aus der sexuellen Zuneigung gegenüber Frauen oder vielmehr seiner, aus meiner Perspektive, beinahe herabblickenden Sichtweise, macht er jedenfalls keinen Hehl. Cool war irgendwie, dass Louis mich die ganze Zeit mit „Jones“ ansprach, hat wohl aus dem zuerst fragwürdig auszusprechenden Namen im Pass einfach die bestklingendste Variante gemacht.

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Interessant für das Ambiente des Hostels waren insbesondere zwei niederländische Soziologie Studenten. Der eine Weiß, der andere Schwarz und auf den Namen Leopold Siegfried getauft, waren sie absolut von Louis begeistert und brachten ein besonderes Maß an Gemütlichkeit ins Hostel. Die beiden wollten eigentlich eine Hausarbeit fertig schreiben und sind unter anderem dafür dann nach Jordanien geflogen, hatten noch circa vier Tage vom Urlaub, waren schon über eine Woche da und haben bisher nichts geschrieben. Ist aber ja alles nicht so schlimm. Sie schienen jedenfalls sehr um unsere Anwesenheit froh zu sein..Endlich jemand zum quatschen!!! Wie angedeutet, Kommunikationsanbahnungen mit den japanischen Menschen , die 90% der Hostelbevölkerung ausmachten, verliefen in 99,8% der Fälle im Sand. Aber auch ich war ganz froh um die Erweiterung der Gesprächsrunde und neue Impulse.

Schloss Karak
Etwas zu früh verließ ich dann also Amman um mich in ein kleines Örtchen in der Nähe von Karak zu begeben. In Karak gibt es eine nette, gut erhaltene Festung, von welcher man sogar bei gutem Wetter auf das tote Meer blicken kann. In genanntem Örtchen, Mirwid, couchsurfte ich dann schöne fünf Tage bei Katha und ihren Mitbewohnern, welche ich ja in Petra per Zufall traf. Während alle aus dem Hause waren, alle drei machen ein Voluntariat in einer Art Community Center, saß ich gemütlich rum und fröhnte dem nichts-tun. Es tat schon gut mal an einem Ort wieder länger zu sein und feste Interaktionspartner zu haben, mit denen man sich einfach gut versteht und einen besseren Einblick in das regionale Leben erhält. Da wir ja alle Deutschländer waren, ist das natürlich auch alles nochmal einfach gewesen, schätze ich.

Vielleicht nochmal etwas zur Lebensweise: Hier bekam ich einen Hauch von Ahnung, wie die Lebensführung in einer ländlichen, muslimischen Kultur aussehen mag. Da die drei in einem, wie gesagt, kleinen Dörfchen mit Universitätsanschluss lebten, war es z.B. sinnvoll, dass sie sich als verwandt ausgeben. Die Vorstellung das zwei, sich fremde, Frauen zusammen wohnen und ein Mann, der im selben Haus wohnt, sie oft besucht, ist nicht gerade üblich. So schlief ich dann natürlich auch beim Simon in der Wohnung, während sich das alltägliche Leben aber bei den Mädels abspielte. Ist aber ja auch okay, schließlich bin ich ja auch ein Cousin und wer will mir das abstreiten..wir Deutschländer sehen doch eh alle gleich aus.

Matschwandern in Dana
Nach ein paar entspannten Tagen in Karak machte ich mich auf zur letzten Station in Jordanien: Diese heißt Dana Nature Reserve. Relativ hoch gelegen, kann man hier vom Dana Village ins Wadi Dana laufen, also eine Art nicht mehr vorhandener Flußlauf der rechts und links von imposanten Felswänden eingerahmt ist. Hier muss man aber erstmal runterlaufen und dann nacher natürlich wieder aufsteigen…
Der Ort Dana Village selbst ist ein Quell der Ruhe. Von der Hauptverkehrstraße geht es erstmal rund 3 oder 4km schön steil bergab in diesen kleinen Ort. Steinhäuser prägen das Ambiente und trotz der touristischen Ausrichtung war es möglich eine günstige Unterkunft zu finden, die noch dazu sehr schön gestaltet ist. Hier arbeitet Hassan und ist, wie gewohnt?, scheinbar 24h/7 Tage im Einsatz. Ausnahme: er ist nicht Palästinenser sondern Bedouine. Während er eher der mit dem Kommando ist, wirbeln um ihn herum zwei philippinische Mädels. Auf die Frage warum hier denn sonst keine Jordanier arbeiten, kam schlicht und einfach die Antwort, dass diese zu faul zu sind und nicht so akkurat arbeiten würden, wie die Mädels. Word.
Ich weiß nicht ob man diese Mentalität auf den königlichen Stolz zurückführen kann, jedenfalls ist das schon eine kuriose Situation, wenn man bedenkt, dass Jordanien jetzt auch kein reiches Land ist. Doch wo wir von Fleiß reden…Tatsächlich reinigen die jeden Tag den gesamten Komplex und dies mit einer Wasserverschwendung die seines gleichen sucht.
Das ist im übrigen eine interessante Sache, die mir schon in Ägypten aufgefallen ist. Den Boden wischen heisst dort Wasser auf die Oberfläche schütten und dann mit einem geeigneten Gerät verteilen und zu einem Gefälle oder einem Abfluss führen. Wasserknappheit im nahen Osten ist jetzt jedenfalls auch kein Geheimnis. Naja. Zurück zur Natur.

Auch wenn es nur geradeaus ging, war es sehr schön im Wadi Dana unterwegs zu sein. Es war möglich im Tal, aber auch höher, entlang der rechts und links gelegenen Felsen zu laufen. Doof nur, dass man irgendwann umdrehen musste. Die einzige auf dieser Strecke erreichbare Unterkunft kostet 50€ aufwärts, da es eine Ecolodge ist. Schade, dass man sich bei diesen Dingen eher nur für Menschen mit großen Geldbeuteln interessiert. Geld für 7 bis 10 Nächte auf einmal auf den Kopf zu hauen, schien mir unvernüftig. Nur um euch dran teilhaben zu lassen: an einem Tag war der Rückweg furchtbar. Es fing an zu regnen und zwar ohne Unterlass. Da alles matschig wurde, brauchte ich rund zwei Stunden um hoch zu kommen und war dann auch von oben bis unten eine laufende Wassersäule oder so. Dennoch ist es einfach wundervoll gewesen. Es ist so still und selbst wenn es nicht so viele Wege zu gehen gibt, ist die Szenerie dennoch einfach umwerfend und eigentlich müsste es bei gutem Wetter auch kein Problem sein irgendwo sein Zeltchen aufzubauen. Übrigens kann man von dort im Sommer auch einen rund drei Tages-Spaziergang nach Petra unternehmen.
Genug der Werbung.

Wieder Menschen..
Im Hostel sammelten sich dann über die Tage auch wieder unterschiedlichste Menschen. An einem Tag wanderte ich noch mit einem Rentner-Ehepaar aus Amerika, welche nun in einem Boot leben und in der Türkei vor Anker liegen und am anderen sitze ich dann mit zwei deutschen und einem belgischen Pärchen im warmen Zelt, durchnässt und mit einem prall gefülltem Teller vom köstlichen Buffet. Die letzten Tage waren hier zwar kalt, aber gesprächig und es gab sogar ein bisschen Schneefall. Hier wurde mir dann auch nochmal bewusst wie superkurios wir Deutschen manchmal Englisch sprechen. Es tauchten übrigens auch Japaner auf und ratet mal…Genau, man sah sie beim angekommen und dann nie wieder. Gut, das ist nicht so repräsentativ, vermutlich waren sie einfach müde.

Mit den vieren, die Belgier haben sich ein Auto gemietet, ging es dann schlußendlich nach Aqaba, von wo ich mit den beiden Deutschen die Grenze nach Eilat überqueren wollte. Ein letztes Mal handeln über Taxipreise und tatsächlich zieht sie immer noch, die alte Masche: Im Zweifelsfall einfach weggehen.

Zuvor wurden wir schon umlagert, da wir alle mit unseren Rucksäckchen noch auf dem Weg zu einem Restaurant waren um noch gemeinsam was zu speisen.
Da fällt mir auch noch eine Taxifahrer-Geschichte ein, sozusagen als P.S. :
Von Amman aus unternahmen Frankreich, China und ich einen kleinen Ausflug zu den Ruinen von Jerash, deren Eintritt uns jedoch zu teuer war. Auf dem Rückweg dann wurden wir natürlich wie die Fliegen von Taxifahrern belagert. Einer war dann besonders merkwürdig, wie mit einem wilden Blick forderte er uns stetig auf einzusteigen, dass er uns nicht gezogen hat, war schon alles. Als wir nach Preisen fragten, die auf Minibuspreislevel waren nickte er nur und blieb aufdringlich. Irgendwie war in dieser Situation klar, dass wir alles machen, aber ganz bestimmt nicht in sein Auto steigen. Ich frage mich ob er tatsächlich der Meinung ist, dass ein solches Verhalten dem Geschäft zuträglich ist.

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Eine Antwort zu “Begegnungen und eine Abschlussroute: von King Louis, dem schwarzen Siegfried und fleissigen Philipinas

  1. Jones, du bist ein wahrer Wortspiel-Witze-Kobold 🙂 Man lacht Tränen.Wo bleibt die nächste Story? Küsschen, Juditha

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