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Etwas liegt in der Luft – oder: Amman

Nachdem nun also Petra ausgiebig erkundet wurde, mussten neue Pläne geschmiedet werden. Da sich das lustige Reisetrio China, Frankreich, Germania snoch gut verstand, nahmen wir uns vor auch noch gemeinsam die Hauptstadt Jordaniens zu bereisen. Von dort sollten sich dann so oder so unsere Wege trennen, da China nach Syrien ging und Frankreich den Flug nach Frankreich nahm. Mit an Bord hatten wir dann noch einen kanadischen Englisch-Lehrer: Morgan, mit dem ich gern sprach und durchaus an die Grenzen meiner englischen Ausdrucksfähigkeiten kam. Is ja aber auch ungerecht! Jedenfalls durfte ich ihn morgens mit „Guten Morgen Morgan“ begrüssen, mit diesem blöden Witz quälten ihn schon seit Jahrzehnten seine Großeltern deutschen Ursprungs.

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Vor dem Auge entblösste sich Amman erstmal als hässliche, riesengroße, superversmogte Stadt. Man fühlte förmlich wie die dreckige Luft in die Bronchien kriecht und sich dort einnistet. Spachtel in der einen Hand und mit der anderen Zement anrührend, sitzen sie da und freuen sich schon auf ihr böses Tagewerk. Jaja, als Asthmatiker entwickelt man da so einen 8. Sinn!

Das schöne im Vergleich zu Kairo ist aber, dass Amman auf mehreren Hügeln liegt und so hat man dann tatsächlich auch, von Berg zu Berg die Möglichkeit das Ausmaß einer solchen riesen Stadt zu erblicken. Möge Allah allein wissen, wie es da wohl so um Kairo steht, welches ja nochmal erheblich bevölkerter ist. Wer im Flugzeug sitzt hat vermutlich den selben Einblick..

Ist man dann mitten im Geschehen, offenbart sich Amman als höchst abwechslungsreiche Stadt. Verkehrstechnisch herrscht auch ein Gedränge besonderer Art, wenngleich ich das nicht mit Kairo vergleichen würde. Dennoch, ein Belgier den ich traf, hat den Verkehr im Mietswagen in Amman als nicht spaßig erlebt.
Zurück zur Stadt. Noch im Quartett mit Guten-Morgen-Morgan suchen wir ein nettes Restaurant zum Speisen und landen eher zufällig durch einen Hinterhofartigen Eingang in ein stark frequentiertes, anmutig wirkendes, rustikal, holz-antik gestaltetes Café, was mir in die Schublade: „Intelektuellen-Treff vergangener Jahrzehnte“ fiel.
Eindeutig ein anderes Klientel als die Menschen, die man beim vielgerühmten Straßenrestaurant findet, dessen Name mir entfiel. Hier gibt es tatsächlich die besten Falafel-Sandwiches die ich je gegessen habe (Sorry, Israel). Die Legende geht um, dass der König selbst hier mit seiner Familie einkehrte. Als dann die Besitzer das gewöhnliche Volk verjagen wollten, damit der König alleine sein konnte, gebot er Einhalt und formulierte den Wunsch, neben seinen Landsleuten zu essen.
Zurück zum Café. Wohlgekleidete Männer und Frauen sitzen also hier, mal mit Kopftuch, mal ohne. Wir bestellen also unser Abendessen und mich gelüstete es nach Pizza, war jetzt nicht der Hit, aber okay. Unüblich war scheinbar, dass wir irgendwie eine getrennte Rechnung haben wollten. Dies brachte etwas Konfusion mit sich und letzten Endes ging ich dann sogar mit mehr Wechselgeld nach Hause, als ich überhaupt bezahlt hatte.

Ein Spaziergang auf einen der Berge eröffnete dann ganz andere Ausblicke auf die Stadt. Unterwegs mit Frankreich liefen wir dann einfach mal drauflos und landeten dann im ganz gewöhnlichen Wohngebiet, wohin sich scheinbar nicht oft Touristen verlaufen. Wir kamen an einen gewöhnlichen Souq (Markt) und wurden, was eher ungewöhnlich ist, kein einziges Mal angequatscht. Die Menschen schauten ein bisschen erstaunt, aber waren sonst recht freundlich gesonnen. Ich finde es ja interessant einfach mal wo hin zu laufen und zu sehen, wie da alles so beschaffen ist und vielleicht freuen die Menschen sich ja auch, dass man sich nicht nur auf die „Touri-Hotspots“ stürzt.

Am gleichen Tag, jedoch Abends erkunden wir dann einen anderen Hügel und landen in einer gänzlich anderen Welt. Während in dem einen Viertel alles nur halbherzig Instandgehalten aussah, war in diesem nun alles von altem Charme irgendwie. Unbeabsichtigt landeten wir dann auch in einem Cafe/Restaurant was als Schwulen/Lesben Treff der Stadt gilt. Leider endete an diesem Abend auch mein Amman Aufenthalt und dann bereute ich doch, dass ich nicht noch ein paar mehr Tage in dieser Stadt zu verbringen gedachte.

Ein paar Takte müssen aber auch noch zu der Wohnsituation angestimmt werden: Nachdem wir zuerst in einem sauberen, aber eher unpersönlichen Hostel untergekommen sind, haben sich China und Frankreich auf die Suche nach einer Alternative gemacht und auch eine gefunden. Wir checken also aus dem einen wieder aus und gehen ins andere, wo wir für sagenhafte 3€ und ein paar gequetschte in einem vier Bett Zimmer landen. Das Hostel ist so trashig, abgewohnt und auch was dreckig, dass es echt schon wieder kultig ist. Es hat auch einen besonderen Ruf im japanischen Reiseführer für Jordanien und somit sieht man Tagein Tagaus eine Menge Menschen aus Japan. Die sind aber scheinbar froh unter sich zu sein und daher hat man dann auch nicht viel mit ihnen zu tun. Das was an Komfort mangelte wurde dann doch durch die Begegnugnen hier wieder wett gemacht. Bleiben sie also dran 🙂

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