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Begegnungen: junge Ägypter und verrückte Franzosen

Man trifft sicherlich eine Menge Menschen in seinem Leben. Unabhängig davon wo man denn ist. Man geht wohin, wo Menschen sind. Menschen gehen dahin wo man ist. Menschen interessieren einen oder auch nicht. Haben was zu erzählen, beliebig, spannend oder auch nicht.
In Jordanien begann sich dieser Eindruck proportional zu der Anzahl der Begegnungen zu formen.

Natürlich ist das einerseits eine ziemlich generelle aber andererseits auch eine ziemlich persönliche Angelegenheit. Wie man auf andere wirkt, mehr vielleicht noch wie schnell man andere Menschen einsortiert und sich aufgrund dessen vielleicht für sie interessiert oder nicht. Und natürlich interessanterweise wie all dies sich dann auch ziemlich schnell verändern kann.

Hauptumschlagplatz und quasi ein Garant für Begegnungen mit anderen Reisenden sind ja die lieben Hostels. In so hochfrequentierten Orten wie Wadi Musa z.B. wechselt sich beinahe am gleichen Tag fast die ganze Touristenbelegschaft aus und so gibt’s also eine Menge Menschen zu treffen. Prinzipiell.

Das ist natürlich nur ein Faktor,: andere Reisende. Was die lokale Bevölkerung betrifft kann natürlich zuvorderst die Kommunikationsbarriere genannt werden, welche einen gewöhnlich an Leute bindet, die einem was verkaufen wollen. Und natürlich will man auch als „local“ nicht immer was mit all diesen Touristen zu tun haben, die unbedingt DIE authentische Erfahrung in Sachen „Einheimische“ suchen. Aber ein glücklicher Moment ist es dann, wenn es irgendwie doch möglich ist, mal ausserhalb der geschäftlichen Dinge ein Gespräch zu führen.

3xM
Fangen wir hier an. Ziemlich gerädert von einer Petra Exkursion war es wirklich angebracht eine Pizza zu essen. Ich gehe zu einem Restaurant und komme irgendwann mit dem „Rezeptionisten“ ins Gespräch. Er ist Ägypter, wie nicht wenige in Jordanien hier, die in Ägypten keine Arbeit finden und dann das Geld Heim schicken. Nachdem ich dann eigentlich gehen wollte, lädt er mich auf einen Kaffee ein und dann sitzen wir da und er erzählt mir so von seiner Perspektive: Er wird 25 bald. Dann ist er bereits vier Jahre in Jordanien und will dann auch so langsam mal zurück zu seinen Eltern. Als einziges Kind und angesichts ihres wohl hohen Alters fühlt er sich für sie zuständig. So will er also heiraten, bei den Eltern einziehen und für sie sorgen. Als erster, aber nicht als letzter sagt er mir, dass es selbstverständlich ist für seine älteren Familienmitglieder zu sorgen: „Deine Mutter wechselt dir die vollgeschissenen Windeln, füttert dich, sorgt für dich und wenn sie dann deine Hilfe braucht schickst du sie ins Heim?! Das machen wir nicht“. Auch ein Thema war die Namensgebung. Mein Gesprächspartner hieß Mohammed. Wie sein Vater und sein Großvater. Korrekt lauten würde also eigentlich sein Name wie? Genau! Mohammed Mohammed Mohammed. Die Mutter hätte hier aber wohl die Krise gekriegt und deswegen hat der gute dann, dank ihres Protestes Ahmed als Zweitnamen gekriegt. Mohammed Ahmed Mohammed.
Solche Begegnungen heitern dann sehr das graue Bild auf, welches ich wohl eher naiv und ungerechterweise von der Interaktionsstruktur: Tourist arabischer Verkäufer bisher so gezeichnet habe. Und nicht zuletzt hinterlässt es doch ein paar Dinge über die es sich nachdenken lässt.

Reisekonzepte
Eine andere Begegnung war ein Reisender, nennen wir ihn „verrückter Franzose“, der irgendwann im Hostel in Wadi Musa auftauchte und zuerst vor hatte gar nicht dort zu bleiben, sondern ausserhalb zu zelten. Seit zwei Jahren unterwegs, hat dieser Mensch sich durch Irak, Iran, Afghanistan und den Rest der Welt begeben. Obschon es ihm nicht an Geld mangele so zieht er es vor sich nur trampend fort zu bewegen und die irgendwie günstigste oder freie Unterkunft zu finden. Alles andere ist für ihn langweilend, ohne Reiz. Sich so fortzubewegen, wäre jedenfalls interessant. So sagte er, ist wohl das meiste Geld für die Ausrüstung drauf gegangen, was ihm eben das ermöglicht. Weiterhin sagte er, er würde mittlerweile in Ländern nach Couchsurfern suchen, die ihn interessieren und er würde sich dann nur zu irgendeinem Ort begeben wo er einen interessanten Couchsurfer findet. Diesmal klappte es dann wohl nicht , da er ja hier hin gekommen ist und nach Petra wollte, natürlich wollte er versuchten umsonst rein zu kommen, was nicht gelang. Nebenbei: Für den Weg von Amman bis hierhin hat er zum trampen zwei Tage gebraucht. Regulär eine Strecke von vielleicht maximal drei oder vier Stunden Fahrt.

Nun, natürlich brachte er mich dadurch zum Nachdenken über die große Frage des: Wie-soll-ich-denn-überhaupt-reisen. Für mich erstmal unerwartet war, dass er sagte, dass er mich beneiden würde, durch mein finanzielles Budget maßgeblich in der Reisezeit beschränkt zu sein. Er könnte, finanziell gesehen, immer so weiterreisen, aber er habe auch einfach keine Lust mehr. Soweit so gut. Nicht ganz verstanden hab ich dann die Situation, in der er beim abendlichen Buffet andere fragte und fand die ihn mit Essen versorgten. Natürlich haben andere so oder so etwas essen wollen und bezahlt, aber wenn er doch die finanziellen Möglichkeiten hätte, könnte er ja genau andersrum jene „einladen“, die ihn mit durchfüttern, da eigentlich klar war, dass sie ein begrenztes Budget haben.

Wie er also Anregungen geliefert hat, mich vielleicht etwas kritischer mit dem eigenen Ansatz vom Reisen auseinanderzusetzen, so blieben auch Fragezeichen, die ich letztlich mit nachfragen hätte ausräumen können, aber dies nicht tat. Wieder was gelernt.

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