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Von Aqaba in dem Moses sein Tal

Bevor wir nun so richtig ins Königreich Jordanien abtauchen noch ein paar Sätze zu der Fährsituation.

Eigentlich war es eine ganz unterhaltsame Sache. So jede Stunde hieß es, dass die Fähre in zwei Stunden kommen würde. Ich hab mich dem Schicksal munter ergeben, schließlich hatte ich ja nichts vor und hätte ja sogar im Zweifelsfall am Dock zelten können. Doch ich saß ja nicht ganz alleine dort rum. Neben den einheimischen Wartenden saß ich noch mit zehn anderen Touristen fest. Und jeder hatte natürlich andere Pläne. Ein amerikanisches Pärchen stand im Dauerkontakt mit ihrem Mietwagenverleihkontaktman weil sie knappe 4 Tage fürs Jordanien Sightseeing eingeplant haben und schon überlegten in der Nacht über Israel nach Jordanien zu düsen. Ein Holländer wollte sowieso nur Petra und Wadi Rum sehen um dann an Sylvester wieder in Dahab zu sein. Merke, wir hatten ja schon den 28.12. War jedenfalls ganz interessant diese Atmosphäre. Hab mir überlegt wie das so ist, wenn man katastrophenmässig in so einer Zwangsgemeinschaft zusammen kommt. Wie bereits erwähnt hab ich hier ja schon meine zukünftige Reisegesellschaft gefunden und nun kommen wir also wieder zurück zur jordanischen Realität.

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Aqaba
Aqaba war irgendwie kurios. Wie gesagt. Es war aufgeräumt, es war viel ruhiger, sogar in den Marktgegenden. Aber es bleibt auch einiges gewohnt: Taxifahrer ordnen die Menschen, die sie sehen auch nach der Kategorie „fremd“ den Touristanis zu und jene Bevölkerungsschicht braucht schließlich immer und überall ein Taxi. In irgendwelchen Geschäften konnte man interessanterweise kleine und große Gitarren und sonstiges Musikzubehör kaufen. Direkt daneben dann die arabische Version von Mein Kampf. Alles was man halt so braucht. Interessant war festzustellen, wie sehr ich schon gewisse Sachen internalisiert habe und fast schon beleidigt war, wenn man sie gebrochen hat. So hat wohl das jüngste Mitglied unserer Reisegesellschaft Toilettenpapier ins Klo geschmissen, was nachhaltig für Abflussprobleme sorgte. Aber dennoch hab ich ihr nichts gesagt, mich aber innerlich etwas aufgeregt. Waren ja nur zwei Nächte. Nachdem in Aqaba nichts mehr zu tun war, entschieden wir uns auch weiterhin gemeinsam zu reisen. Als nächstes stand also Petra auf dem Plan. Weltberühmte Angelegenheit. Eigentlich wollte jeder von uns auch ins Wadi Rum fahren, aber die Mädels hielt es aufgrund der Kälte davon ab, mich wegen der Unkalkulierbarkeit der Kosten. Parkeintrittsgebühren, Transportkosten, Unterkunftskosten. Ich frage mich wieviel ich aufgrund solcher, unseltenen, Erwägungen verpasst habe oder, andersrum, wie oft ich gerade deswegen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Örtchen war.

Auf den Weg in dem Moses singe Tal
Die drei Muskeltiere machten sich nun also auf nach Wadi Musa, dies ist der, dem antiken Petra vorgelagerte Ort. Und hier: wieder so ein Moment wo der Minibustransport reibungslos verläuft. Man will uns natürlich wieder verscheissern, aber pustekuchen, denkste. Nicht mit uns. Etwas später erfahre ich dann von einer anderen Reisenden, die ich per Zufall in Petra wiedertreffe und später dann bei ihr couchsurfe (soviel schonmal zu richtige Zeit und richtiger Ort), das sie schon seit 8 Uhr in diesem Bus saßen und noch dazu, die verscheisser-Summe gezahlt hatten. Ziemlich ungerechte Sache.

Irgendwann dann in Wadi Musa, wie sollte es anders sein: die Hotels buhlen um die wenigen Gäste die sich aus dem Bus pellen. Ein Paar will sogar, es war schon zwei Uhr, nur heute nach Petra und dann wieder nach Aqaba oder sonstwohin. Die spinnen doch, die Touristen. Unglücklicherweise sind wir zu einem ungünstigen Zeitpunkt da. Kurz vor und nach der Jahreswende kommen wohl viele Touristen. Und: wie wir ja schon gelernt haben, Touristen sind die Eierlegenden Wollmilchsäue und die schreien gerade zu danach ausgenommen zu werden.

Das erste Hotel dem wir uns anvertrauen ist viel zu weit ab vom Schuss und das Zimmer ziemlich kalt. Nachdem sich die drei Muskeltiere entschieden haben dieses Zimmer nicht zu nehmen, kommt natürlich das übliche. Dieser Mann versteht kein Nein. Ein Nein ist eine Aufforderung den Preis zu senken, ein anderes Zimmer anzubieten und sonstigen Scheiss zu erzählen – aber bei weitem keine Aussage die bedeutet, dass man nun das Gebäude verlässt.
Wie wir zu unserem erschrecken feststellen durften, war das Hotel nicht nur ab vom Schuss sondern auch sehr hoch gelegen. Zurückfahren wollte man uns dann natürlich nicht. Soviel dann zur berühmten jordanischen Gastfreundschaft. Ich hatte eh nichts gegen einen Spaziergang, aber unser Nästhäkchen hatte nach den ersten 500m schon ein paar Probleme mit ihrem Gepäck. Wer hier jetzt denkt ich hätte eine arabische Macho-Attitüde verinnerlicht, liegt jedoch falsch. Die gute Frau hat einfach Gepäck für zwei Personen oder mehr dabei. Fangen wir an beim viel zu schweren, superedlen Macbook, der fetten Spiegelreflexkamera oder den Beautyartikeln, die es ihr ermöglichen für die nächsten drei Monate immer drei Cremes nacheinander aufzutragen. Es wäre wohl ein Fest ihr Gepäck auszusortieren..aber was kann ich schon sagen, der so Sachen wie ein zweites Regencover für den Rucksack rumschleppt..

Romantisch nur im Titel: Valentine Inn
Naja. Wir machen uns dann also auf ins Valentine Inn. Eigentlich wollten wir da ja schon vorher hin, aber die Preise beim eiskalten Berghotel waren ja besser. Das schöne an diesem Ort war, dass man jede Menge Menschen getroffen hat. Natürlich auch, dass es zum ersten Mal auf dieser Reise dieses Dormitory-Gefühl gab – quatschen um 6 Uhr morgens, schnarchen, packen, Pupsgeräusche vom Klo – einfach schön :).
Zum Menschen-treffen an anderer Stelle mal etwas mehr.
Interessant ist, dass die Belegschaft des Hostels nicht wirklich aus Jordaniern, als vielmehr aus einem Ägypter und Philippinerinnen besteht. Dieses Phänomen ist hier nicht ungewöhnlich. Wie sagte jemand so schön in einem andern Hotel, die Philippinerinnen arbeiten einfach besser, und gründlicher als Jordanier, die würden garnicht arbeiten.

Was mich gründlich gestört hat am Valentine Inn als auch an Wadi Musa generell, ist, dass wir uns natürlich wieder in Touristenland befinden und unrealistische Preise erwarten bezahlt zu werden. Achso, hab ich ja schon gesagt. Naja. Man sieht es ist mir eine Angelegenheit. Im Valentine Inn wurde so versucht aus jedem Scheiss irgendwie Geld zu machen. Die Dormitory Preise waren ganz ok (1 Euro = 0,92 Dinar). Auch wenn ich die Preisdifferenz zwischen einem 9 Bett und 14 Bett Zimmer nicht ganz verstehe. Ersteres kostet 5,5 Dinar, das andere 3 Dinar. Dabei ist das 14 Bett Zimmer eigentlich besser, weil es zwei Toiletten hat. Naja. Kaffee kostete 1 Dinar. Das Frühstück war auch ziemlich teuer bemessen und auch das Waschen war teuer. Und irgendwie find ich, hat man das dem Besitzer auch einfach angesehen, dass ihm das Geschäft am wichtigsten ist. Das Hostel fungierte auch als Alkoholumschlagplatz, wo reihenweise die Locals hinkamen um Geld dazulassen und schwarze, ausgebeulte Plastiktüten mitzunehmen. Die Preise für die Touristen waren natürlich phänomenal. Ein halber Liter Bier kostete 5 Dinar. Ich nehme an, da ist es sogar auf dem Oktoberfest günstiger. Im Einkauf ist der Preis natürlich nicht so hoch. Sie haben den Preis einfach mal mehr als verdoppelt.

Die ersten Tage waren also in Sachen Preisgefüge und Freundlichkeit eher ernüchternd und in einem gewissen Maß enttäuschend. Aber das sollte sich bald ändern und wird durch die Begegnungen die es in Wadi Musa gab auch entschädigt. Mal abgesehen von der Faszination die Petra selbst ausstrahlt. Das ist aber eine andere Geschichte und wird bald erzählt.

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