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Ma’asalama Egypt

Jetzt ist es nun genau einen Monat her, dass ich ägyptischen Boden verlassen habe. Zeit also nocheinmal hinzuschauen und etwas mehr zusammenzufassen. Derzeit ist die ägyptische Grenze auch nur vielleicht 10km Luftlinie von meinem Standort, Ezuz – Negev Wüste, Israel, entfernt. Also alles kein Problem.

Die Reise durch Ägypten hat natürlich primär zwei Erfahrungen gebracht, das Erleben des Landes und das Erleben des Reisens als solchem. Natürlich bedingen die sich gegenseitig. Das Reisen in Ägypten ist ein anderes als in Jordanien oder vielleicht auch Nordrhein Westfalen.

Zur Einstimmung ins lesen:

Fang ich also mal mit dem Land an. Zuerst hatte ich Sorge um einen gewissen Kulturschock. Der hat aber nur meinem Magen anheimgefallen. Mehr oder weniger war ich ziemlich begeistert davon zu sehen wie unterschiedlich Alltag funktionieren kann und wie schön Chaos sein kann, wenn man ausgeruht und das Nervenkostüm gut gebügelt ist.

Noch ganz TÜV?
Nehmen wir den Straßenverkehr. Wer schon in Deutschland ein schlechter Beifahrer ist, der sollte sich überlegen in Ägypten komplett zu Fuß zu gehen oder im Notfall definitiv ein paar sedierende Pillchen dabei zu haben. Die andere Möglichkeit ist sich einfach seinem Schicksal zu ergeben. Ich find es garnichtmal so schwer und auch nicht immer lebensbedrohlich. Eigentlich nie. Aber dennoch ist die Fahrphilosophie einfach eine andere. Rote Ampeln sind rote Ampeln, aber kein Symbol für „Halt“. Manchmal, aber auch schon. Fahrbahnen sind dafür da AUSGEFÜLLT zu werden. Das heisst wo noch EinskommaFünf Zentimeter Sicherheitsabstand mein eigenes Auto vom Seitenspiegel des anderen trennen, nun, da komm ich vorbei!
Und wenn man denn irgendwo hinfährt und was mitnehmen muss, dann kommt es halt mit und so sieht man Pickups oder auch normale Autos die nochmal anderthalb Meter hoch vollgepackt sind mit Möbeln, Tomatenkisten, was auch immer halt transportiert werden muss. Kein Stress von wegen Möbeltransporter mieten.. Mit dem Auto fahren bedeutet natürlich auch nicht zwingend auf einem Sitz zu sitzen oder das auf einem Motorad maximal zwei Fahrer sitzen. Wenn eine ganze Familie draufpasst, ja dann fährt sie halt auch mit. So einen Luxus wie Verkehrssicherheit muss man sich halt auch ersteinmal leisten können.
Erstmal ist es natürlich komisch zweispurige, dreispurige Fahrbahnen bei fließendem Verkehr zu überqueren, aber in letzter Konsequenz funktioniert es und ich bin noch im Besitz aller Beine und Arme. Auch wie der Nahverkehr geregelt wird, mit den Minibussen, die erst fahren wenn sie voll sind oder Pickups wo man zu zwölft in einer Selfmade Transportbox sitzt, finde ich charmant. Vermutlich würde der Menshc, der all dies täglich erlebt wenig Verständnis für meine Begeisterung haben und vielleicht würde diese auch schwinden, wenn es für mich immer so wäre.

Das Chaos auf den Straßen erstreckt sich natürlich nicht nur auf die Autos. Wo ein Ort ist, da sind auch Menschen und zwar eine Menge. Es wird gehupt, ins Handy gebrüllt, man spricht überhaupt ziemlich laut miteinander und das ganze summiert sich dann zu ganz schönem Lärm. Ich mag dieses quirlige. Allerdings nicht unendlich lang…

In Kairo zu sein, bedeutet auch unerwartet zu erfahren dass in Ägypten Frauen leben. Gut, das ist übertrieben. Aber dort sieht es schon anders aus, als auf dem Land. In den Großstädten und den Gegenden starker christlicher Prägung sieht man natürlich auch Frauen ohne Kopftuch herumlaufen und eher körperbetonter Kleidung. Natürlich ist so oder so die Geschlechtertrennung omnipräsent, die wohl, wie schonmal erwähnt, zu so interessanten Phänomen wie der stark körperlichen Zugewandtheit von männlichen Freunden führt. Man nehme beispielsweise das Einhaken und häufige im-Körperkontakt-sein beim sprechen. Eine Reisende berichtete mir, sieh habe dies auch bei Frauen untereinander wahrgenommen. Als Extremform dann wohl sowas wie unsere Erfahrung auf der Bedouinenparty (unteres Drittel)

Man ist wie man isst?
Was mich restlos begeistert hat, ist auf dem Boden sitzend von einer Platte vollgestopft mit leckerem Essen mit den Fingern zu essen. Und ich bin davon überzeugt, dass es physiologisch gesünder ist und noch dazu ein ganz anderes Gefühl zum Essen aufbauen lässt. Sich mit anderen eine solche Platte zu teilen ist eine wirklich gemeinschaftliche Aktion. Man begegnet sich beim reintunken des Pita in die Tahina, teilt sich die Tomaten auf etc. Noch dazu sitzt man irgendwie näher, enger. Auch hinsichtlich der späteren Entledigung der Nahrung hab ich erst in Jordanien das Hockklo schätzen gelernt. In Ägypten war ich eher noch etwas abgeschreckt, da sich wohl ein Gros der öffentlichen Toileten in eine absolut beschissenen Zustand befindet. In Jordanien dann, in einem Privathaushalt, muss ich sagen kann man wirklich von einem enormen Unterschied zwischen dem Prozess auf einem normalen Sitzklo und einem Hochklo sprechen. 1:0 für das Hockklo in Sachen Verfahrensoptimierung und ganzheitlicher Förderung des Bewegungsapperates. Da die Abflußrohre zu klein sind für Toilettenpapier muss dieses seperat entfernt werden. Auch das finde ich ziemlich sinnvoll. Die Ägypter machens eh nur mit Wasser. Wäre doch interessant ob soetwas Wasseraufbereitungskosten senken könnte?!

Special Price for you. Egyptian Price!
Als wir uns von Pascal und Judith trennten stellte sich schlagartig zum einen der Eindruck ein, dass wir vermehrt abgezogen werden wollten und das man auf einmal auch nur noch mit denen in Kontakt kommt, die Englisch sprechen. Und das sind neben der „Mittel, oder Oberschicht“ natürlich jene Leute die dir was andrehen wollen. Interessant sind die stereotypen Phrasen die man so mehrmals gesagt bekommt. Jeder hat in Deutschland mal gearbeitet oder dort Familie. Und ich sähe ja aus wie ein Doktor oder Ingenieur und irgendwie auch typisch Ägyptisch, achja, wenn ich zurück nach Deutschland komme kann ich ja Freunden seine Visitenkarte geben, um Business zu machen. Schlimm war wirklich einmal, als ich jemand nur gefragt hab, wo ich was laminieren kann, anstatt mir nur den Laden zu zeigen, hat er alles mit dem Besitzer geregelt und der wollte dann auch, dass ich den Typen bezahle. Er wollte mich mit in seinen Laden nehmen und erzählte mir lang und breit über seine deutschen Kontakte und zeigte mir sein Gästebuch. War ein Parfümladen. Da drin hinterließen tatsächlich jede Menge Leute ihre Adresse oder zumindest einen Gruß. Eigentlich wollte er mir nur seine Visitenkarte geben. Er hätte mir geholfen und nun würde ich ihm helfen. Die Visitenkarte aber liess auf sich warten und er wollte mir die ganze Zeit Parfüm andrehen. Nach gefühlten 10x Nein hat er es dann verstanden, beziehungsweise als ich erst aufgestanden bin und tatsächlich gegangen bin. Er war herbe enttäuscht. Diese Dramaturgie bei gescheiterten Geschäften ist wirklich beachtlich und es ist schwer einzuschätzen wie echt das nun wirklich ist. Ich frage mich jedoch wieviele Leute sich nicht auf sowas einlassen und wieviele sagen, nagut, nehmen wir halt ein Souvenir mit oder zahlen halt mal mehr. Auch wenn man die Sprache spricht ist man wohl kaum vom Fluch geheilt, dass man eben Weiß ist und trotz allem auch immer wieder in diese Schublade fällt. Aber man merkt schon, das der Umgang sich ändert..

Fortsetzung:

Ich konstatiere dass ich mich dem Konzept einer umfassenden Zusammenfassung nicht wirklich nähern kann. Viele Dinge fand ich interessant, die sind nichts neues und es geht wohl mehr darum, jedenfalls mir, sie einfach mal zu sehen, als zu erzählen, dass es sie gibt..denn das weiß man ja eh schon irgendwie.

Ägypten hat viele Facetten, aber es bedarf etwas Mühe diese auch zu finden. Viel zu sehr scheint es auf den Antik und Badeurlaub-Tourismus, man könnte es ggf. auch den „14-Tage Tourismus“ nennen, ausgerichtet. Daher ist es schwierig, wenn man etwas anderes sucht, dort hin zu kommen und den Heimischen das auch klar zu machen. Weiterhin steckt hier vielleicht auch ein Denkfehler. Egal wo ich als Touri hingehe und Geld lasse, obwohl ich mich eigentlich in die lokale Infrastruktur einbinden möchte, kann ich prinzipiell den Eindruck erwecken, dass sich an diesem Ort mit Touris Geld machen ließe. Und wenn ich schon allein ein Hotel nutze unterstütze ich nicht nur die Infrastruktur, sondern die touristische Infrastruktur..

Zu sehen wie das alltägliche Leben auf den Straßen ist, wie es sich organisiert, der Lärm, die Gerüche, wie Städte und Dörfer aussehen, das ist wirklich schön und was ich als positiv von Ägypten mitnehme und versuche all den Scheiß um das Bezahlen zu vergessen… All die Touri-Hotspots, sei es archäologisch oder Strandmässig sind irgendwie eher entgeisternd. Ich habe keinen besonderen Zugang zu den Orten entwickeln können. Aber das liegt wohl auch einfach mehr an mir. Wer die Pyramiden sehen will, der sieht sie halt nun, wie es ist. Machste halt nix, das rundherum die Leute versuchen ihr Abendbrot zu verdienen und unehrlich zu dir werden. Die Besucher kommen so oder so, ob man das ganze jetzt nett gestaltet und gute Infotafeln designt oder nicht. Also spart man sich das. Klare Sache..

Schließen wir hiermit mal den ersten Punkt, die Betrachtung des Landes ab und kommen wir zu einer kleinen Betrachtung des Reisens.
Interessanterweise war ich 3/4 der Ägyptenzeit ja immer in netter Gesellschaft. Das prägt schon wesentlich den Reisestil und was man so im Alltag macht. Besonders schön fand ich eigentlich das Fortbewegen. Es gibt unterschiedliche Phasen, aber bei Fahrten bis zu fünf Stunden könnte ich einfach nur rausschauen und Musik hören. Hier habe ich auch irgendwie tiefe Flashbacks aus frühen Kindertagen gehabt. Für die Fahrten während der Campingurlaube in Holland und Frankreich war ich mit einem Walkman ausgestattet und hatte natürlich die feinste Musikauswahl dabei. Wer denkt schon, dass Black Sabbaths Snowblind mich an eine friedvolle Autofahrt, drogenfreie Kindheit und Freiheit denken lässt?

So jedenfalls endet das Kapitel Ägypten. Die gemeinsame Reisezeit war ein guter Einstieg in ungewohntes Terrain und sowieso eine schöne Angelegenheit. Von nun an gehts also ab ins Königreich Jordanien.

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Eine Antwort zu “Ma’asalama Egypt

  1. schön. schön zu lesen (: ich komme wieder

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