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Assuan, Assuan, Popassuan

Nachdem wir unsere 8 Stunden Schicht im Zug abgearbeitet hatten, sind wir in Assuan ausgestiegen. War aber sowieso Endstation. Was dann kam, war das gewohnte: viele Menschen die einem ein Hotel andrehen wollten oder vielleicht auch nur ein Taxi. Wir hatten schon ein Hotel zu dem wir wollten, haben es aber nicht gefunden. Also stiegen wir, um mittlerweile 23 Uhr, in einem anderen Hotel zum halbwegs moderaten Preis ab. Am nächsten Morgen ging es dann aber zum richtigen Hotel. Räumlich ein Touch von Afrika (Stereotypie-denken sei Dank), nette Leute und trotzdem günstig. Dort zu sein, hat echt Spaß gemacht.

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Aber was wollen wir eigentlich in Assuan? Nun Assuan mag wohl in vielerlei Hinsicht interessant sein. Von hier aus besichtigt man das 300km südlichere Abu Simbel, macht Felukenfahrten auf dem Nil, kann in Cafes ausspannen, Alkohol und Marihuana kaufen, sich als technikaffiner Mensch den Damm des Nasser Stausees anschauen oder sich mit Kulturhistorie beschäftigen, Visas beantragen und natürlich auf den Souqs (Märkten) schlawenzeln. Für die Touristen unter den Touristen gibt es sogar einen speziell ausgewiesenen Tourist-Souq.

Erstmal aber markiert die Ankunft in Assuan den Anfang vom Ende der 4er-Reisegesellschaft, welche sich als ein durchaus gelungenes Projekt betrachten lässt.
Unsere zwei tunesischen Freunde mussten sich in den folgenden Tagen um ihre Visa und Fährüberfahrtsangelegenheiten nach Sudanland kümmern. So nutzten Judith (kl.) und ich die Zeit zum Besuch des nubischen Museums welches sich, wer hätte es gedacht, mit der Kultur und Geschichte der Nubier beschäftigt. Diese Bevölkerungsgruppe lebte nahe der heutigen Sudanesischen Grenze im jetzigen Gebiet des Nasser Stausees. Ein großer Teil ihres ursprünglichen Lebensraums wurde somit über Bord geworfen. Das ganze passierte natürlich zu einem höheren Zwecke. Nämlich um die jährlichen Nilüberflutungen einzugrenzen und so einen kontinuierlichen Fluss des Nils zu gewährleisten. Soviel zu dem, was ich so aufgeschnappt habe.. Mit dem Verlust des Lebensgrundes haben diese sich dann anderweitig niedergelassen und sind so auch in Teilen Assuans wiederzufinden. Auffallend sind die Behausungen, deren Fronten recht farbig dekoriert sind.

Neben dieser Aktivität übten Judith (kl.) und ich uns in der hohen Kunst des über-den-Basar-laufens-und-von-jedem-angequatscht-werdens und in der umso anspruchsvolleren Folgedisziplin: Handeln. Der Trubel auf dem Markt war schon interessant, aber auch anstrengend auf die stetigen Ansprachen zu reagieren. Mit nicht-reagieren tue ich mich immer noch etwas schwer, aber es ist schon eine nachvollziehbare Handlung mal jemanden zu ignorieren, wenn man den ganzen Tag lang angequatscht wird.
Ein eindrucksvoller Einblick in männlich geprägte Kommunikations- und vielleicht ja auch Denkmuster zeigte sich als ich mit Judith (kl.) und Judith (gr.), ohne Pascal, herumlief. Sobald wir wieder auf dem Marktareal waren ertönte von allen Seiten „Lucky Määän“. Des ganzen dann irgendwann überdrüssig, sagte ich, dass dies meine Schwestern seien. Meinte Intention war natürlich hiermit das „Gespräch“ zu beenden – aber: Pustekuchen. Postwendend wollten sie dann von mir wissen, wieviel denn die Schwestern kosten würden. Die einfallsreichen unter ihnen wollten in Kamelen zahlen. Also alles noch Spaß, aber es wurde auch einmal grenzwertig, als einer dann meinte Judith am Rücken berühren zu müssen – ich weiß garnicht ob er es tat, jedenfalls bin ich dann eingeschritten, was er dann mit einem, „ey, nur spaß“ quittierte. Möge er mich als Miesepeter sehen, aber da er eine solche Handlung mit sehr großer Wahrscheinlichkeit niemals nie bei einer Frau aus dem eigenen Kulturkreis ausführen würde, sehe ich dies als durchaus abwertende und intolerable Handlung. Und das ist ziemlich blöd.

Weitere negative Erlebnisse bot auch die Felukenfahrt, die ich mit Judith (kl.) unternahm. Erstmal jedoch war alles schön. Wir sind gut drei Stunden auf dem Nil herumgeschippert, sind mit einem Kamel auf einen Aussichtspunkt, von welchem man auch eine nubische Siedlung sehen konnte, also alles gut. Wir legten Anker auf einer Insel, die eigentlich nur bewohnt wird., also nicht touririsiert, eigentlich schön, so unerwartet einen Zugang zum täglichen Leben zu erhalten. Doch: Pustekuchen! Die wahre Absicht lag nicht weit entfernt. Als der Herr Kapitän zu einem Bekannten führte, kam dessen Frau und breitete Hennavorlagen aus. Alles suuuper günstig. Toll, wir waren also auf einer Kaffeefahrt gelandet. Erst mehrmaliges verneinen machte den Akteuren unsere Position deutlich. Bisweilen wäre es ja sogar nett gewesen, aber wir wurden einfach der kompletten Freiwilligkeit entzogen und der freie Wille ist einem ja bisweilen doch auch wichtig. Dann ging es also weiter.
Unser lieber Kapitän erzählte jede Menge, er habe Freunde überall. Scheint jeder Ägypter übrigens zu haben. Während der Wirtschaftskrise schicken die ihm Geld, damit er überleben kann. Naja, wir fahren und fahren. Sehen den Sonnenuntergang. Im Grunde ist es schon cool auf so einem Segelboot. Vom Nil ins Mittelmeer und dann über den Rhein nach Hause. Aber zurück zur Realität.

Wir sind gelandet und was jetzt kommt ist das beinahe beste Drama was ich live mitbekommen habe. Das wirklich beste hatte mich in der Hauptrolle, aber das dann im Abschlussartikel zu Ägypten. Also, meines Wissens nach waren die Formalitäten geklärt…Was sich der Käptn Adam so gedacht hat…keine Ahnung. Machen wir aber zur genauen Rekonstruktion einen Zeitsprung.
Ich rief vormittags El Capitano an, um abzuklären ob die Fahrt wettermässig möglich wäre und wie es mit dem Preis aussieht. Er hat hier erst zögerlich geantwortet: „Wir sehen das am Schluss, zahl dann einfach wieviel es dir wert ist“. Ich hab dann darauf bestanden das vorher zu klären. Nagut, dann meinte er pro Person 25 Pfund pro Stunde. Abends zuvor hat er uns an einem Restaurant angesprochen und dort haben wir ihm gesagt, dass wir nur zu zweit die Felukenfahrt machen wollen, auch wenn er fragte ob wir das zu viert machen. Am Telefon sagte ich das dann erneut. Nagut. Zeitsprung nach vorne. Der gute Käpten rechnete. Ich wusste schon, dass es 150 sind (2×25 x 3h) und war natürlich etwas geschockt als er dann 300 sagte. Was folgte war eine lange Diskussion darüber wer denn nun recht hatte. Dass ich gesagt hätte wir kämen zu viert, er würde damit nichts verdienen und müsste von seinem Geld dann noch den anderen Matrosen bezahlen, aber ihm wär das ja nicht wichtig, er hätte seinen Spass gemacht. Trotzdem drängte er mich, mehr Geld zu geben. Das schöne allerdings war, dass ich garnicht mehr Geld mit mir hatte und konnte ihm am Ende nur 170 Pfund geben. Er wollte dann noch mit zum Bankautomaten gehen, wär ja kein Problem etc. Naja. Hat er uns dann doch nicht zugezwungen, hat in den Himmel geschaut und zu Allah gesprochen und ist dann letzten Endes abgewatschelt, nicht ohne eine Filmreife Flappe zu ziehen. Die ganze schöne Fahrt war natürlich jetzt im Eimer.

Insgesamt war es aber schon nett in Assuan. Es wirkte alles etwas wärmer, natürlich touristisch aber durchaus angenehm. Das war für mich auch das erste Mal Horden von Weissen zu sehen. Den Großteil der letzten Zeit waren wir doch eher so die einzigen Touris und jetzt auf einmal so viele von uns. Alle Sorten.. Gruppen, junge fesch-alternativ aussehende, das deutsche Ehepaar wie man es sich vorstellt: Beide kurze Hose, er im Safarilook mit Kamera vorm Bauch baumelnd, Frau eher modisch bewusst, mit Ausschnitt. Ob sie jetzt tatsächlich Deutsch waren tut ja nun wirklich wenig zur Sache ;). Bei einer letzten Pizza, sie war so gut, trennten sich dann endgültig die Wege von Judith (gr.)-Pascal und Judith (kl.)-Janos. Es war eine schöne, unterhaltsame gemeinsame Reisezeit und ein wahrlich guter Einstieg in das Reiseleben.

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Eine Antwort zu “Assuan, Assuan, Popassuan

  1. also ich weiss nicht, ob deine Kommunikationsnote gerechtfertigt war. Du weisst doch, dass man nicht nicht kommunizieren kann. Diese Erkenntnis wäre beim Basarbesuch (reagieren versus nicht reagieren) hilfreichgewesen D)

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