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Von Dhakla bis nach Assuan

Unsere Reise durch die Wüste neigt sich dem Ende zu. Dhakla bildet so die Endstation unserer Durchquerung der westlichen Wüste. So lasset uns beginnen, mit dem Anfang vom Ende:

Lehmbauten, Meditation und heiße Quellen
Willkommen in Dhakla. Es ist, dank unseres unfreiwilligem Straßenrandpicknick’s, dunkel und das Hotel welches wir eigentlich aufsuchen wollten ist garkein richtiges. Also müssen wir ins benachbarte, in dem man uns zuerst sagte, dass unser eigentliches Ziel garnicht existiere. Nun gut. Die Besitzerin, des nicht-richtigen Hotels, ist Deutsche und bietet Meditationen, schamanisches Trommeln und sonstige Sachen für, vornehmlich, Frauen aus Deutschland an. Sie fungiert also wirklich nicht-richtig als Hotel. Aber sie existiert richtig. Wollte da wohl jemand von vornerein ausschließen,dass er mit vier Weißen keine Geschäfte machen kann?! Der Mann jedenfalls erweckte genau diesen Eindruck, aber wir blieben trotzdem drei Nächte und entspannten uns ein wenig vom bisherigen Programm.

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Am folgenden Morgen gehen wir mit der netten deutschen Dame und ihren Freunden, durch die umliegende Wüstenlandschaft in den eigentlichen Ort. Dieser hat einen Altstadtkern der mittlerweile unbewohnt und dazu noch gut erhalten ist. Diese Altstadt: Qasr genannt, wurde rein aus Lehm gebaut. Lehm sorgt wohl für ziemlich ausgeglichenes Klima im Winter und Sommer. Der einzige Nachteil, der wohl mitunter zur Aussiedelung der Stadt führte ist, dass Lehm nicht so richtig wasserfest ist. Als dann die Anwohner auch mit der Zeit gehen und Wasserleitungen legen wollten, entschied man, dass das nicht geht und so wohnen die Menschen nun drumherum. Fast wie in Fayoum begegnen diese einem hier freundlich und interessiert. Allerdings, vielleicht an Touristen gewöhnt, wurden wir von einem älteren Mann und ein paar Kindern ziemlich direkt nach Geld gefragt.
Das schöne am Hotel war, dass es von aussen zumindest einen interessanten Baustil hatte. Die Zimmer sind einzelne Gebäude, die ein Kuppelartiges Dach haben, welches für eine interessante Akustik im Innern sorgt. An einem gewissen Punkt hört man sich selbst oder denjenigen der etwas sagt mit einer Art Verstärkung, direkt ins Ohr rein. Zack. Weiterhin war es ziemlich ruhig gelegen und so haben wir die Zeit einfach mal fürs zur Ruhe kommen genutzt. Ein besonderes Highlight war natürlich die nahegelegene heisse Quelle. Hier konnte man sich im 40° warmen Wasser von den Anstrengungen des Nichts-tuns erholen. Da die Quelle ausserhalb lag, gestaltete sich das Aussteigen in die freie Luft manchmal als mühsam, denn es war ganz schön windig. Aber es war auch schon ganz schön cool, im modernen Sinne gesprochen.

Unterwegs nach Assiut
Irgendwann dann war dann doch die Zeit zum Aufbruch gekommen. Die beiden Tunesier, Mustafa und seine Frau, wollten schließlich zeitig in Assuan ankommen um ihren Übergang in den Sudan zu regeln. Es ist also mal wieder Minibuszeit. Eigentlich gibt es hier wenig zu zu sagen, ausser dass es mal wieder eine der unerfreulichen Busfahrten war. Alles fing damit an, dass der Busfahrer fünf oder vielleicht auch ein Pfund pro Person, pro Gepäckstück haben wollte – die beiden Tunesier erzählten ihm dann natürlich, dass er wohl nicht mehr ganz bei Sinnen sei. Nagut, dann halt ohne Geld, wird er sich gedacht haben und vielleicht auch.. Stupid White Men. Keine Ahnung. Zum ersten Mal saß ich im Minibus vorne, was zu etwas mehr Komfort führte – jedoch postwendend dadurch zerstört wurde, dass ich ziemlich nah an den Lautsprechern saß. Und diese machten ihrem Namen wahrhaft Ehre. In übermässiger Lautstärke kam die ganze Reisegesellschaft in den Genuß einer circa vier bis fünfstündigen Koranrezitation. Bei Pausen haben wir das ganze mal runtergeregelt, aber ziemlich schnell hat der Fahrer, dann die Lautstärke hochgepusht. Gottes Wort in unser aller Ohr. Nun, eigentlich könnte man ja mal was sagen. Haben wir aber nicht und auch so keine andere Person der Reisegruppe. Ich habe schon eine Art Wut auf den Fahrer entwickelt und ihm auch unterstellt, dass das eine Art gepose sei. Vorgeben man sei besonders religiös, wenn man sich das bis zum geht nicht mehr zu Gemüte führt. Nun ist aber Lautstärke natürlich kein unübliches Phänomen in Ägypten. Wenn Menschen telefonieren, dann reden sie nicht nur so laut, dass es jeder versteht – wenn er denn arabisch spricht – sie reden so laut, dass es sogar jeder mit 10% restlichem Hörvermögen versteht. Dasselbe im Verkehrslärm, den normalen Gesprächen, etc. Naja, ich hab nix gesagt, Pech gehabt und vielleicht gibt es auch nix auszusetzen, aber ich glaube wirklich nicht, dass jeder noch so religiöse Mensch glücklich ist, die stetig gleichen Suren für Stunden und Stunden zu hören und noch dazu von jemandem, der wirklich eine unangenehme Stimme hat. Obendrauf ist die Gesamtaufnahme durch ein stetes, unschönes Echo verziert. Es leistet vorzüglich seinen Beitrag, das ganze als eher belästigend als schön zu empfinden.

Ausverkauf
Sichtlich gerädert und in meinem Fall auch erneut von Darmrevolten geplagt machen wir uns nach Ankunft in Assiut auf die Suche nach einem Hotel. Bis zu diesem Punkt und auch danach, war es nie ein Problem Platz in einem Hotel zu finden. Doch dieses Mal war es wirklich verzwickt. Wir klapperten alle möglichen Hotels ab, fragten sogar in drei Sterne Unterkünften nach und erfuhren so, dass in einem Hotel der Preis für Ausländer mindestens das doppelte beträgt, als für Ägypter. Natürlich können wir uns ein teures Hotel mehr leisten, als ein ägyptischer Bankier. Logisch. Für die letzten möglichen Hotels parkten Judith und Ich uns am Komplex der YMCA, also dem Christlichen Verein Junger Menschen, die kein Zimmer frei hatten. Aber: endlich eine Toilette! Des schweren Gepäcks so entledigt gingen Pascal und Judith auf Hotelsuche. Eine Stunde verging und die beiden kamen ohne Erfolg wieder und dann, wie eine Deus Ex Machina, kamen die Leute vom YMCA auf uns zu und hatten scheinbar doch ein Zimmer für uns. Nun erwarteten wir natürlich das schlimmste, aber es war in gutem Zustand und für grade Mal 12€ für uns vier ziemlich günstig. Aber wieso war alles voll? Assiut ist schließlich kein Touri-Mekka und auch nicht Mekka selbst. Aber es ist Wahlzeit und so war dann der Verdacht, dass sich in den schönen Hotels eine Menge Wahlbeobachter oder sonstige Menschen aufhalten werden.. Wie dem auch sei..Wir hatten ja ein Dach überm Köpfchen.

Polizei, schon wieder

Am nächsten Morgen machten wir uns dann auf den Weg zur Bahn. Auf einmal hatten wir dann einen neben uns stehen. Ohne sich groß zu erklären begleitete der Mann uns und war bemüht uns etwas den Weg zu weisen und sich hier und da nützlich zu machen.Angekommen. Wir kauften Tickets, der Mann steht wieder rum und dann sprechen wir ihn dann doch mal an. Touristenpolizei. Er müsste mit uns mitgehen etc. Wir sagten, dass wir ja jetzt auf den Zug warten – 2 Stunden – arabisch sprechen und so weiter. Nein, er muss bei uns sein. Nagut, so sitzen wir also an der Zugstation rum, der Mann irgendwo daneben und natürlich sind wir mal wieder die Attraktion für alle anderen Leute…von denen eine Menge zugegen ist..

Irgendwann dann kommt der Zug und bleibt für die nächsten 8 Stunden unser Aufenthaltsort. Glücklicherweise haben wir recht bequeme Sitze und so ist es doch eine durchaus komfortable Fahrt nach Assuan. Während der Fahrt spricht mich ein Gehörloser an und zeigt mir seinen Gesprächspartner im Handy und will mir irgendwas mitteilen. Die einzige Gebärde, die für „gebärden“ (so denke ich) zieht in dem Fall aber und wir beginnen etwas zu „reden“. Er fragt ob ich mit Judith verheiratet bin und die beste Antwort, wenn man den nicht lügen will, ist vielleicht das Zeichen für Geld. Der Mann antwortet mit einem herzlichen „Schlag ein“. Dies war, rückblickend, nicht die erste Begegnung mit Gebärdensprachlern und ich bin wirklich erstaunt über so eine Lockerheit und Unbefangenheit des Menschen, sich trotz der zusätzlichen Kommunikationsbarriere mit mir Unterhalten zu wollen.
Glücklicherweise verlief die Hotelsuche in Assuan etwas leichter.

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